Sonntag, 9. August 2015

Das Silk Porter aus der Hoppin Frog Brewery

Der Bierstil Porter wurde vor über 300 Jahren in London erschaffen und erlebte bis heute viele Änderungen bezüglich Zutaten und deren Modernisierung. Er wurde bereits um 1800 zu einem hoch beliebten weit exportierten Stil, dessen Geschichte nicht ohne die des Stouts zu erzählen ist, da diese beiden Biertypen historisch nicht voneinander zu trennen sind. Das ursprüngliche Porter wurde mit einem braunen Darrmalz gebraut, welches zwar zu der markanten dunkelbraunen Farbe führte, jedoch nicht den gewünschten Extraktgehalt erzielte. Deshalb wurde Porter zwischenzeitlich sogar mit dem effizienteren Pale Malz eingebraut um den Stammwürzegehalt zu eröhen, was natürlich zu einer viel zu hellen Farbe führte und dem Porter somit seinen Wiedererkennungswert nahm. Im Jahre 1817 entwickelte Daniel Wheeler ein Malz mit dem Namen "black patent malt", das sowohl das Farb-, als auch das Extraktproblem löste. Dieses Malz fand ebenso seinen Weg in das heute weltweit populäre Guinness Stout und machte Porter und Stouts gleichermaßen populär. Der Stil Porter zeichnet sich durch dunkle Malz- und Schokoladenaromen aus ohne dabei zu trocken und kaffeelastig zu wirken. Mittlerweile wird der Stil in die zwei Sub-Kategorien Robust und Mild Porter eingeteilt, deren feine Unterschiede in Alkoholgehalt, Farbe und Bittereinheiten liegen. Moderne Interpretationen, welche für extremere Malz- und Hopfenaromen stehen, können auch als American Porter bezeichnet werden, so wie auch mein heutiges Verknusperungsbier. 



Das Silk Porter kommt aus der amerikanischen Hoppin' Frog Brewery in Ohio und macht im Pint-Glas schon mal einen sehr Porter-typischen Eindruck.



Notizen
  • Schaum: hellbraun, feinporig und cremig
  • Farbe: dunkelbraun bis schwarz
  • Geruch: Kakaobohnen, Toffee, Karamell, floral hopfig

Der Antrunk verläuft äußerst smooth. Dezente Karbonisierung weiß mit einem angenehmen Mundgefühl zu überzeugen. Der Name Silk Porter scheint schon beabsichtigt zu sein, denn seidenartig schmeichelt die dunkelbraune Flüssigkeit der Zunge um einen feinen Einstieg in die Aromen zu gewährleisten. Diese drängen sich nicht auf, beginnen aber ab der Mitte dunkle Schokolade zu versprühen. Man fühlt sich ein wenig zurück ins Kindesalter versetzt und erinnert sich an warmen Kakao, nur dass es sich jetzt um kaltes Bier handelt. Wie dem auch sei, Mundgefühl, Bittere und volle Malzaromatik entfalten sich zu einem wirklich ausbalancierten Geschmackserlebenis und lassen den Porter-Fan auf seine Kosten kommen. Im Abgang klammert sich eine honigartige Süße an der Zunge fest, deren hopfiger Gegenspieler dann doch leider etwas zu kurz kommt. Bei dem Namen der Brauerei hätte ich mit einem klitzeklein bisschen mehr Aromahopfen gerechnet. Dennoch ist das Silk ist ein tolles Beispiel für ein Porter, das seinen Namen verdient und super als Geschmacksbeispiel dieses alten Stils dienen kann. Wenn auch ohne markante Überraschungen. Aber das muss ja auch nicht immer sein.

Knusperfaktor 7/10 - Prost!



Beerfacts

ABV: 6.2%, Stammwürze: 17°P, Bittereinheiten: 26 IBU

Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe

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