Freitag, 19. September 2014

Yes We Can West Coast: Das Backbonesplitter IPA von Hanscraft

Krass. Fast vor einem ganzen Jahr testete ich das Bayerisch Nizza der Hans Müller Sommelierbier GmbH - wie die Zeit vergeht. Da wird es Zeit für etwas Neues. Hinter dem eher international ausgerichteten Namen Hanscraft steckt nach wie vor Christian Hans Müller, der uns diesmal mit einem West Coast IPA das Rückrad brechen will, zumindest sagt das der Name der vor mir stehenden Flasche so. Ein IPA nach West Coast Art zeichnet sich meist durch eine sehr starke Hopfung mit viel Aromatik sowie einem knackig-herben Charakter aufgrund einer ordentlichen Ladung IBUs aus. Kann das Backbonesplitter mit den beliebten Ales von Sierra Nevada, Anderson Valley & Co mithalten? Die Verknusperung wird es zeigen...


Notizen

  • Schaum: daumendicke Krone, eher unauffällig und instabil
  • Farbe: bernstein, funkelnd orange-rot
  • Klarheit: gleichmäßige, leichte Trübe
  • Geruch: sehr aromatisch nach Zitrusfrucht und tropischen Früchten, dezente Malznote


Knusperfazit

Da schlagen IPA Herzen höher, vor allem die der etwas herberen Fraktion. Kantiger, stilgerechter Einstieg bei feiner, eher zurückhaltender, fast schon milder Kohlensäure. Aber auch das kenne ich so von vielen Ales der kalifornischen Westküste. Der durchaus volle Malzkörper bietet etwas Karamell, hält sich aber weitestgehend zurück, sodass sich die Hopfensorten Horizon, Amarillo, Centennial und Simcoe vollends im Mundraum entfalten können. Diverse Früchte wie Litschi, Grapefruit, Orange und Ananas sind mit einem Touch von Kräutern zu erschmecken und sorgen dabei zeitgleich für ein tolles Aroma sowie eine adstringierende Hopfenherbe, die weit über das kompromisslos trockene Finish hinaus anhält. Wow, ich bin sehr froh, dass ich noch zwei weitere Flaschen gekauft habe und stelle mir direkt eine kalt. Denn das Backbonesplitter aus Aschaffenburg ist eine wahre Hopfengranate und kann ohne jeden Zweifel mit den "Großen" von der Küste mithalten.

Yes we can West Coast! Neben dem Amarsi eines meiner Favoriten IPAs aus Deutschland.

Knusperfaktor 9/10 - Prost!



Beerfacts

Alkohol: 6,6% vol., Stammwürze: Keine Angabe, Bittereinheiten: 60 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Horizon, Amarillo, Centennial, Simcoe), Hefe

Netz

sommelierbier.de
facebook.com/hanscraftco

Bezugsquellen

maruhn.de
bier-deluxe.de

Montag, 15. September 2014

Düsseldorf Calling: Die Rhabarber Weisse von Onkel Bier

Wenn ich an Rhabarber denke, dann stehe ich immer als Kind im Garten meiner Eltern und beiße in einen frisch gepflückten Blattstiel des Knöterichgewächses, woraufhin ich angeekelt das Gesicht verziehe und den Krempel wieder ausspucke, weil mir das einfach zu sauer war. Mein Vater sagte dann so etwas in der Art wie "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Aber damals war mir das einfach eine Nummer zu krass. Es gibt ja diese Dinge, die einem früher nicht geschmeckt haben, für die man jedoch später einen gewissen Geschmack entwickelt. Seit dem Erlebnis im Garten habe ich Rhabarber nur noch als Kompott oder in Kuchenform angefasst. Ähnlich verhielt es sich dann später bei mir mit Berliner Weisse, war mir doch das obergärige Schankbier einfach zu unausgewogen sauer. Grund für den hohen Säureanteil bei einer Weisse ist die im Anschluss an die Hefegärung zweite Gärung durch Milchsäurebakterien wie zum Beispiel Lactobacillus brevis. Hierbei entsteht Milchsäure, welche der Berliner Weisse ihren typisch sauren Geschmack verleiht. Viele "Biergenießer" mögen das jedoch nicht und schütten sich süßen Sirup in ihr Getränk, um es wiederum für sie genießbar zu machen. Verwirrend und absurd zugleich, wie ich finde. Entweder eine Weisse schmeckt pur - oder eben nicht. Und gerade weil ich weder Rhabarber noch Berliner Weisse Fan bin, wage ich mich nun an Onkel Herberts Rhabarber Weisse von Onkel Bier in Düsseldorf. Ganz nach dem Motto Gebraut nach dem deutschen Freiheitsgebot geben sich die beiden Onkels Albert und Herbert bewusst transparent in Bezug auf die Zutaten und haben keine Heimlichkeiten bei ihren beiden Biersorten. So kann man schließlich auch dem Etikett der Rhabarber Weisse entnehmen, dass diese 3% konzentriertes Rhabarberpüree enthält. Der große Unterschied zu dem sonst übermäßig beigemischten Sirup im Glas: Hier wird die Frucht nicht dem Fertiggetränk beigemischt, sondern direkt während des Gärprozesses in den Tank gegeben. So kann sich eine Symbiose aus Bier und Rhabarber entwickeln. Genug Vorgeplänkel. Jetzt will ich wissen, ob diese Kombi tatsächlich so schlimm für mich wird...


Notizen

  • Schaum: stabil, strahlend weiß, feinporig, cremig
  • Farbe: milchig-zitroniges weißgelb
  • Klarheit: gleichmäßig trüb
  • Geruch: sauer, feine Weizennote, Buttermilch, grünes Obst


Knusperfazit

Im Antrunk tänzelt Kohlensäure auf der Zungenspitze, während die Flüssigkeit den Rest des Mundraumes mit einem fruchtig-säuerlichen Obstallerlei bearbeitet. Erster Eindruck: "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Na also, ist doch gar nicht so schlimm! Im Gegenteil: Das macht sogar Spaß! Da ist es also wieder dieses Phänomen des Geschmack Entwickelns. Ich glaube jedoch, dass das nicht nur an meinen über die Jahre strapazierten und abgestumpften Geschmacksknospen liegt, sondern vielmehr der Verdienst der beiden Onkels ist, was die Weisse so unglaublich erfrischend macht. Wir haben zwar Spätsommer oder fast schon Herbst, aber das spielt ja keine Rolle. Nach dem Einstieg entwickelt das Bier eine feine Säure, die nach Buttermilch, Zitrone und natürlich auch Rhabarber schmeckt. Getragen wird dieses Bouquet auf den Schultern eines feinen, gehaltvollen Körpers aus Gersten- und Weizenmalz, was das Ganze angenehm abrundet. Es bleibt die Erkenntnis, dass man sich eben immer mal wieder an Dinge trauen soll, die man früher nicht angerührt hätte, weil es Leute gibt, die sie besonders gut machen! In diesem Fall die Jungs von Onkel Bier in Düsseldorf. Ihr habt mich zu einem Weisse-Genießer gemacht. Danke!

Leute packt euren pampigen Sirup ein und genießt diese Weisse pur! Nur so bekommt ihr ein lecker-spritziges Erlebnis mit kitzelnder Säure, perfekt für den Spätsommer. Ein Bier für den Moment eben.

Knusperfaktor 8/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 4,4% vol., Stammwürze/ Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, konzentriertes Rhababerpüree (3%), Milchsäure, Hefe, Hopfen

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mein-onkel.de
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mein-onkel.de/wo

Montag, 8. September 2014

Trauminsel im Glas? Das Santorini Black Wheat Greek Lager

Ein paar Wochen ist mein Urlaub auf der griechischen Insel Kos mittlerweile schon her, weshalb ich mich nun mal an ein Mitbringsel wage. Das Volkan Santorini Black Wheat Greek Lager habe ich in dem einzigen Laden der Insel gekauft, wo es außer Heineken, Amstel, Becks und drei weiteren griechischen Industrie-Bieren noch eine ganz beachtliche Auswahl an Craftbier verschiedener Länder gab. Dieses hier stammt von der rund 360 km westlich von Kos gelegenen Trauminsel Santorin und bringt einige Besonderheiten mit sich. Das Dunkelweizen, welches mit Gersten- sowie Weizenmalz eingebraut wurde, bekam mit dem von der Insel stammenden Honig als Zusatz eine Art Veredlung verpasst. Außerdem soll die Essenz der lokalen Pflanze Citrus Medica (Zedernfrucht) dem Tröpfchen, dessen Brauwasser lavasteinfiltriert ist, ein einzigartiges Aroma verleihen. Ich bin gespannt, ob all der Aufwand etwas bringt...


Notizen

  • Schaum: beige - ockerfarben, cremig, standhaft
  • Farbe: tiefschwarz; im Licht funkelt es feuerrot
  • Klarheit: blank, keine Trübung
  • Geruch: Kaffeenoten, leicht brotig mit herber Zitrone, etwas Honig


Knusperfazit

Der Antrunk verläuft durchschnittlich prickelnd mit spärlich dosierten Röstnoten, die in einen eher flachen Malzkörper eingebettet sind. Auch zur Mitte hin bleibt ein wässriges Mundgefühl und der Funke will nicht so recht überspringen. Ich habe das Gefühl, dass hier auf Farbebier zurückgegriffen wurde, welches das Bier zwar dunkel macht, aber eben nicht sonderlich geschmacksgebend ist. Der erwähnte Honig kommt im Geruch zwar zur Geltung, weiterhin ist er aber nicht zu vernehmen. Auch die verwendeten Blätter der Zitruspflanze tümmeln sich unspektakulär im Hintergrund und gehen insgesamt doch ziemlich unter. Im Abgang bleibt etwas Röstmalz am Gaumen kleben und hinterlässt eine leichte Bittere, ansonsten bleibt das Dunkelweizen aber auch im Finish sehr fad und wirkt leider ziemlich blass. Da hätte ich mir doch wenigstens ETWAS mehr erwartet.

Die Ingredienzien sorgen beim Volkan Santorini Black Wheat Greek Lager zwar für den regionalen Bezug, bringen aber darüber hinaus keinen Mehrwert. Es bleibt ein eher flaches, im unteren Durchschnitt angesiedeltes, dunkles Bier. Einen Versuch war's wert.

Knusperfaktor 3/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 5,0% vol., Stammwürze/ Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Honig, Essenz der Citrus Medica Pflanze

Netz

volkanbeer.com
facebook.com/VolkanBeer

Kaufen

Das Volkan gibt es ausschließlich in Griechenland zu kaufen. Eine Liste der Läden, die es anbieten gibt es hier.