Montag, 28. April 2014

Craftbier im Herzen der Bank-Metropole: Zu Besuch im naïv in Frankfurt am Main

Die Liebe zu Frankfurt ist im naïv spürbar.
In Frankfurt am Main gibt es viele schöne Dinge: Den Römer, die Pauluskirche, den Ebbelwei-Express und eine ganze Menge weitere Sehenswürdigkeiten. Seit Ende letzten Jahres hat inmitten von 'Mainhattan' zwischen all diesen Hotspots in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Pizzeria eine neue Lokalität geöffnet. Das naïv liegt in der Fahrgasse zwischen Konstablerwache und Mainufer und wurde von den beiden gastronomieerfahrenen Frankfurtern Sascha Euler und Christian Daam gegründet. Es ist Restaurant und Bar zugleich und bietet als erstes Lokal in Frankfurt auch einige Craftbiere an. Grund genug für mich der Stadt meiner vergangenen Studentenzeit mal wieder einen Besuch abzustatten und mit Sascha bei einem gemeinsamen Bier in gemütlichem Ambiente zu plaudern.

Im naïv wurde bewusst auf fertiges Mobiliar verzichtet, sondern alles ganz im Sinne von 'craft' selbst gemacht. Die Tische und Stühle wurden handwerklich gezimmert, der Barschrank aus 6.500 Holzklötzchen liebevoll Stück für Stück eigenhändig errichtet. Sogar die Bar, welche das Herzstück des Lokals bildet, wurde aus Beton selbstgegossen und bietet viel Platz für Gäste. Über sieben Monate dauerte die schweißtreibende Arbeit.

Die selbstgegossene, massive Beton-Bar bildet das Herzstück des Lokals und lädt die Gäste zur Bierdegustation ein.

Wie kam es zu diesem 'Handwerks-Konzept' und wie verliefen die Arbeiten bis zur finalen Eröffnung?

"Das Handwerk wurde mir irgendwie in die Wiege gelegt. Die Bauarbeiten für unser Lokal waren wirklich sehr hart. Ich habe das auch gar nicht richtig realisiert. Wenn du jeden Tag am Bauen bist, dann verlierst du fast schon den Kontakt nach außen. Und wenn du dann auf einmal die Vorhänge öffnest knallt dir das Tageslicht ins Gesicht. Im Dezember 2013 konnten wir dann schließlich aber doch noch pünktlich unsere Türen öffnen", erinnert sich der studierte Betriebswirt. Die Philosophie der beiden Gründer lautet 'Keine Schubladen und keine Kompromisse'. "Das bedeutet zum Beispiel, dass alle paar Wochen die Speisekarte komplett gewechselt wird und somit sowohl dem Küchenchef und seinen Köchen, als auch den Gästen niemals in kulinarischer Hinsicht langweilig wird. Es kommt schon mal vor, dass ein Gast traurig ist, weil er das Schnitzel von neulich nicht mehr bekommt, aber er ist dann ganz schnell von den neuen Variationen unserer Küche begeistert".

Diese beinhalten vom üppigen Salat mit Hühnchen in Honigmarinade bis zur hausgemachten Pasta viele weitere Leckereien mit und ohne Fleisch.Willkommen ist übrigens jeder. Es gibt keine Zielgruppe, da will sich das naïv ebenfalls in keine Schublade stecken lassen. 'Absacker-Bar und stimmungsvolles Date-Restaurant zugleich' lautet die Devise. Neben einer gläsernen Küche, die jederzeit für die Gäste zugänglich ist, gibt es auch eine Auswahl an Bier, die sich sehen lassen kann.

Links: Bayerisch Nizza Clubbier mit naïv-Sandwich - Rechts: Bunter Blattsalat mit mariniertem Hühnchen. 

Welches Bier gibt es und wie wurde die Auswahl getroffen?
Links: Das Bio-Landbier, Rechts: Das Kellerbier.
Gibt's beide auch bald in der Flasche.

Zunächst gibt es das hauseigene Bier vom Fass, welches in Kooperation mit einer Privatbrauerei für das Lokal gebraut wird. Dieses gibt es in zweierlei Ausführung: Das Kellerbier ist ein Dunkles mit malzigen Aromen und einer herausragenden Karamellnote, das Bio-Landbier ein süffig-mildes Helles mit Rohstoffen aus biologischem Anbau. Weiterhin gibt es eine Auwahl an Bieren von Weihenstephan, dem Chiemgauer Brauhaus, Wulle Bier, BrauKunstKeller, Christian Hans Müller Sommelierbier, Störtebeker und vielen weiteren. Wer sich einen genauen Überblick verschaffen will, kann dies auf der Getränkekarte tun. Der Kontakt zum Craftbier kam für Sascha und Christian übrigens bei einem gemeinsamen Shopping-Trip durch den in Darmstadt-Eberstadt ansässigen und unter Bierkennern beliebten Getränkeladen Maruhn mit anschließender Blindverkostung. "Danach haben wir uns dann einfach mit den Brauereien oder den Craftbier-Brauern in Verbindung gesetzt und gefragt, ob sie Lust haben ihr Bier bei uns zu verkaufen".


Wie nimmt das Frankfurter Publikum das Bier an? Wird gerne ausproBIERt?

"Auf jeden Fall wird gerne ausprobiert. Gerade bei unseren Tastings verkosten die Teilnehmer sehr gerne neue Sorten und lassen sich auf die Welt der Bierstile ein. Ansonsten ist das ganz unterschiedlich. Der eine testet sich durch viele Biere durch, während der andere am liebsten unser frisch gezapftes genießt." Die Bier-Tastings im naïv finden an festen Terminen in Zusammenarbeit mit Sommeliers oder Brauern im Veranstaltungsraum des Lokals statt. Dieser schließt nahtlos an den Hauptraum an und wird von diesem nur durch eine stilvoll gestaltete Glaswand getrennt. Bei Interesse sollte man einfach regelmäßig die Homepage checken und vorab reservieren. Das nächste Event ist mit den Barley's Angels aus Mainz am 10. Juni geplant und soll ein Tasting von Frauen für Frauen sein. Die Termine sind gezielt unter der Woche gewählt, betont Sascha. "Das Ganze soll ja kein Besäufnis sein, sondern ein bewusstes Genießen."

Klingt nach einer spannenden Zukunft im naïv, denn auch das Bier-Sortiment soll weiterhin stets durch neue Sorten wachsen und die hauseigene Reihe um eine mit Honig veredelte Sorte erweitert werden. Diese wird schon bald erhältlich sein, worauf ich sehr gespannt bin.

Danke an Sascha Euler dafür, dass er sich die Zeit für das Gespräch genommen hat. Im Anhang noch weitere Eindrücke meines Besuchs im naïv Frankfurt. Ich komme gerne wieder - Prost!

Weitere Infos unter: http://www.naiv-frankfurt.dehttps://www.facebook.com/pages/NAIV

Intelligent gelöst weil nur durch Glas vom Hauptraum getrennt: Ein Extra-Bereich für Veranstaltungen und Bier-Tastings.
Mit viel Liebe zum Detail: Das Regal für Spirituosen und Flaschenbier besteht aus 6.500 einzelnen Holzklötzchen.
Etwas verwackelt: Vom Störtebeker 'Whisky-Bier' bis zum 'Ginger-Joe' Ingwerbier ist für jeden etwas dabei.
Kommt gut an: Bei schönem Wetter draußen neue Biersorten entdecken und hausgemachte Leckereien genießen.
'lovely homemade' - Ich komme gerne wieder! Danke naïv!
Interview mit Lieblingsbier. Toll!

Freitag, 25. April 2014

Ein Landbier vom Giganten: Das 'Grevensteiner Original" von Veltins

Momentan scheint es ziemlich trendy zu sein, als konventionelle, industrielle Brauerei einen kleinen Ableger für die Fans des urigen Landbieres an den Mann zu bringen. Machte es doch die Licher-Brauerei mit ihrem, wie ich finde durchaus schmackhaften '1854 Naturtrüb' vor, legte vor Kurzem auch die Veltins-Brauerei mit einer mindestens genauso urig gestalteten Steiniflasche nach. Die Geschichten sind ähnlich und so möchte man kurz gesagt in beiden Fällen das 'traditionelle Brauhandwerk' würdigen und in die Neuzeit befördern. Das Grevensteiner beruft sich dabei auf ein Rezept der beiden Brüder Carl und Anton Veltins, die einst ein Bier brauten, welches 'weit über die Grenzen hinaus Beliebtheit' erlangte. 'Süffig und mild' soll es sein, was sich doch perfekt für ein Bier am Freitag zum Ausklang der Woche anhört. Flasche auf und los geht's.


Beim Einschenken erblickt das Auge ein durchaus dunkel-bernsteinfarbenes, leicht trübes Bier, was zum Beinamen 'Naturtrübes Landbier' schon mal ganz gut passt. Der recht grobporige Schaum verhält sich ausgesprochen standhaft und präsentiert sich in einem leichten Braunton. Die Nase vernimmt primär kräftig-würzige Duftnoten nach etwas dunklerem Malz, gepaart mit Weißbrot und leichter Süße, die aber relativ schnell verfliegt. Weiterhin ist die eher Pils-typische Hopfenblume wahrzunehmen, allerdings gesellt sich auch eine metallische Note dazu, die aber nicht zu sehr ins Gewicht fällt.

Beim Grevensteiner setzt man auf Urigkeit und Tradition. Das Bier ist im Stile eines 'naturtrüben Landbieres' gebraut.
Im Antrunk kommt durchaus Stimmung auf. Vollmundig mit angenehmer Rezenz belebt das Grevensteiner den Mundraum und bietet dabei mit seinen 5,2% Alkohol eine ordentliche Portion Süffigkeit. Danach tritt leider etwas Langeweile auf und das Bier wirkt mit einem zu flachen Malzkörper bisweilen etwas lustlos und wässrig. Bei der kräftigen Farbe habe ich da etwas mehr Gehalt erwartet. So bleibt die Befürchtung, dass man mit etwas Farbebier aus einem unfiltrierten Export ein bernstein-schimmerndes 'Landbier' gezaubert hat. Zum Abgang kommt jedoch wieder etwas mehr Freude auf, denn es sind durchaus herbe Töne vom Hopfen zu vernehmen, was das Ganze in gewisser Hinsicht abrundet und für eine insgesamt recht gute Drinkability sorgt.

Süffig und mild will es sein, das 'Grevensteiner Original' von Veltins. Diesen Job macht es alles in allem gut, wobei ich mir noch etwas mehr Charakter gewünscht hätte. Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Fakten: 5,2% vol., Stammwürze:/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Donnerstag, 24. April 2014

Offizielles Bier der CBC 2014: Das Centennial State Pale Ale der Oskar Blues Brewery

Da ich es gestern schon am Tag des Bieres nicht geschafft habe etwas Besonderes zu verknuspern, möchte ich euch heute ein einzigartiges Schmankerl präsentieren. Ein Kollege von mir war beruflich auf der diesjährigen Craft Brewer's Conference in Denver und brachte mir zu meiner Freude das offizielle Messebier mit. Das Centennial State Pale Ale kommt in einer lieblich gestalteten 0,5 Liter Dose mit allerlei Informationen der Sponsoren daher und wurde von der in Longmont (Colorado) ansässigen Oskar Blues Brewery für dieses Event gebraut und abgefüllt. Ich setze mich also auf den Balkon und genieße dieses Bierchen, welches ich wohl niemals wieder in meinem Lebern verknuspern werde. Es zischt und die 0,5 Liter Dose wird geöffnet...


Blank und klar mit feiner, weißer sowie standhafter Schaumkrone liegt es im Teku-Glas und zeigt sich für ein Pale Ale nicht einmal so hell wie ich es erwartet habe. Die kräftige, dunkelorangene Farbe macht eher den Eindruck eines IPAs und auch geruchlich ist sofort zu verspüren in welche Richtung es geht. Die Nase bekommt nämlich gleich mal eine ordentliche Hopfenprise ab und vernimmt die markanten US typischen Hopfenaromen. Kräftig, der erste Eindruck. Mal sehen ob es geschmacklich so weitergeht.


Der erste Schluck. Ja, ich werde nicht enttäuscht. Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein Messebier handelt und man deshalb keine großen Experimente erwarten darf. Ich denke, dieses Bier soll eher einfach das verkörpern, was ein typisches Pale Ale in den USA momentan ausmacht. Und da bleibt man nach wie vor der trockenen Schiene mit immenser Hopfenaromatik treu. Diese ist sogar so stark, dass ich nicht weiß, ob man das ein oder andere IPA danach aufgrund von Geschmacksknospenlähmung noch anständig sensorisch erfassen konnte. Ebenso wenig kann ich die fruchtigen Nuancen präzisieren - wohl am ehesten eine herbe Orangigkeit. Vielleicht wäre für ein Messebier tatsächlich ein etwas schlankeres Ale die bessere Devise gewesen. Fakt ist, das Centennial State Pale Ale, welches eher zum India Pale Ale tendiert, punktet mit einem wunderbar moussierenden Mundgefühl, einer am richtigen Punkt prickelnden Rezenz sowie einem zurückhaltenden Malzkörper und wuchtig-fruchtig, trockener Hopfendolde. Die angenehme Herbe verbleibt noch ein ganzes Weilchen auf der Zunge, während ich der nun leeren Dose hinterher trauere.

So muss das und so können sie das in Colorado offenbar sehr gut! Tolles, kräftiges Pale Ale mit Hopfenexplosion. Fast zu viel für ein Messebier. Knusperfaktor 7/10 - Prost!


Fakten: 5,28% vol. (ja so steht es auf der Dose!), Stammwürze/IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Montag, 14. April 2014

Doppeltest: Das SHIPA 'Hüll Melon' der Kehrwieder Kreativbrauerei in zweierlei Gläsern

Liebe Bierfreunde! Heute vereine ich zwei Tests in einem Post. Zunächst wird wie gewohnt ein Bier verknuspert. Danach vergleiche ich das Spiegelau IPA Glas mit dem Teku Pokal. Doch alles der Reihe nach.

Das heutige Testbier stammt von keinem anderen als Biersommelier Weltmeister des Jahres 2013 Oliver Wesseloh, der zusammen mit Braumeister Friedrich Matthies (Spitzname Fiete) seit 2011 die Kehrwieder Kreativbrauerei betreibt und als Wanderbrauerei schon einige leckere Zaubereien kreierte. Neben Prototyp und Feuchter Traum wurde auch die SHIPA (Single Hop India Pale Ale)-Serie geschaffen, bei der eine ausgewählte Hopfensorte für den Charakter des Ales stehen soll. So wird ein SHIPA immer unter den gleichen Rahmenbedingungen mit Wiener Malz eingebraut, lediglich der Hopfen ändert sich. Seit einiger Zeit gibt es nun Nummer vier der Serie, mit der geheimnisvollen Hopfensorte 'Hüll Melon', welche dem Bier eine einzigartige Honigmelonen- sowie Erdbeernote verleihen soll. Ich bin gespannt.


Orange-gelb liegt es im Glas und bietet dem Auge zusammen mit weiß-gelblichem sowie standhaften Schaum einen erquickenden ersten Eindruck. Die Nase vernimmt gleich zu Beginn einen etwas 'sprittigen" Geruch, der sich aber auf den zweiten Riecher sofort verflüchtigt und in die bereits angekündigte Erdbeernote, zusammen mit etwas Banane und Melone umwandelt. Wirklich verrückt, das hatte ich bei einem IPA bisher tatsächlich noch nicht. Irgendetwas süßliches schwirrt da auch zusätzlich noch im Hintergrund, was mich an den Duft von Ü-Ei Schokolade erinnert. Abgefahren. Vom farbgebenden Wiener Malz weht schließlich noch eine getreidige Note in der Luft.


Zu Beginn ist das IPA mit seinen 65 IBU sehr straight und trocken. Es bietet einen zurückhaltenden Malzkörper, der sich nicht durch unnötige Süße in den Vordergrund drängt und auf diese Weise dem Hopfen freien Lauf lässt. Dieser kann sich zur Mitte hin voll entfalten und beweist dadurch, dass eine einzige Sorte ausreicht um ein Geschmacksspiel freizusetzen, das wunderbare Herbe mit markanter Fruchtigkeit vereint. Die Sprache des Hüll Melon ist deutlich zu erkennen, wobei ich aufgrund des ganzen Erdbeer-Hypes sogar noch etwas mehr Intensität erwartet hatte. Dennoch ist das eine ganz eigene Richtung, die beerig-melonige Akzente setzt und wirklich Spaß macht. Im Abgang machen sich dann die 7,5% bemerkbar und sorgen für einen vollmundig, öligen Nachtrunk der nochmal stark von der Bitternote des Hopfens dominiert wird.

Ein tolles IPA mit spannendem Aromaspiel. Knusperfaktor 8/10 - Prost!



Fakten: 7,5% vol., Stammwürze: 16,8°P; Bittereinheiten: 65 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Wiener Malz), Hopfen (Hüll Melon), Hefe

Netz: http://www.kreativbrauerei.de/https://www.facebook.com/Kreativbrauerei


...und nun zum zweiten Test: Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, wurde das SHIPA in zwei verschiedenen Gläsern verkostet. Anlass dafür ist der Trend eines neuen IPA Glases, welches in Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Brauereien Sierra Nevada und Dogfish head von der deutschen Kristallglasfabrik Spiegelau produziert wird. Mittlerweile gibt es auch ein Stout Glas, das ich jedoch bis jetzt noch nicht besitze. Das IPA Glas fällt durch seine eigenartige, ich nenne es mal vasenartige Form, auf und soll durch diese die besten Voraussetzungen für eine sensorische Verkostung bieten. Doch was bedeutet Sensorik überhaupt? Sensorik ist der Sammelbegriff für alle Sinneswahrnehmungsvorgänge bei Lebewesen. Beim Bier dürfte dabei also der Geruchs- und Geschmackssinn, aber auch der Tastsinn während des Trinkens sowie der visuellen Wahrnehmung, also die Optik, eine Rolle spielen. Jeder, der schon mal eine Cola aus einer eiskalten Dose getrunken hat, weiß, dass es da einen gewaltigen Unterschied zur 1,5 Liter Plastikflasche gibt, obwohl es sich beim Inhalt um die gleiche Flüssigkeit handelt. 

Zurück zu den Gläsern. Welches ist denn nun besser? IPA- oder Teku-Glas? Fakt ist, dass es sich per se bei beiden um Gläser handelt, die mit Fokus auf die Sensorik entwickelt worden sind. Aus dem Teku 'dürfen' allerdings auch andere Sorten als IPA verkostet werden.

Mein Fazit:

Das Teku hat meiner Meinung nach einen ganz großen Vorteil. Und zwar finde ich es wichtig, das Bier im Glas schwenken zu können. Einfach um mir einen visuellen Eindruck über die Textur des Bieres zu verschaffen und im Anschluss die Nase ins Glas zu halten - eine Angewohnheit, die ich nicht missen möchte. Leider funktioniert das absolut gar nicht mehr, wenn sich das Bier im IPA Glas nur noch im unteren, schmalen Teil des Glases befindet, während man sein Gebräu im Teku bis zum letzten Schluck schwenken kann. Klarer Pluspunkt für das Teku. Ansonsten macht das Spiegelau Glas einen sehr leichten und zerbrechlichen Eindruck. Ich habe bereits mehrfach gelesen, wie der gemeine Verkoster sein IPA Glas im Eifer des Gefechts zertrümmert hat - das ist mir bisher zum Glück aber noch nicht passiert.

Auch die Farbe wird, vor allem im unteren Teil des IPA Glases etwas blasser, was aber wiederum gerade bei sehr trüben Ales einen kleinen Vorteil bei der gesamten visuellen Wahrnehmung bedeutet. Hier bietet das Teku nicht ganz soviel Variation in der Form und unterliegt bei der Optik leicht dem Spiegelau.

Beim Geruch- und Geschmackssinn jedoch konnte ich keinen Unterschied feststellen. Beide Gläser setzen die Aromen frei und bieten der Nase und dem Mund ein angenehmes Trinkgefühl. Die fruchtigen Noten, sowie die Malzaromen ließen sich sowohl bei Teku, als auch bei IPA Glas gleichwertig wahrnehmen.

Insgesamt ergibt das ein Unentschieden und wird schlicht und einfach zur Geschmackssache. Ich finde jeder sollte sich ein eigenes Bild verschaffen. Vielleicht gibt der ein oder andere ja sein ganz eigenes Feedback, welches er mir gerne unter dem Post mitteilen kann. Bei mir wird schlicht die Laune entscheiden, aus welchem Glas ich mein nächstes Ale trinke.

Das IPA Glas sieht schön aus und ist 'nice to have'. Sensorisch kann ich jedoch keine grundlegenden Unterschiede zum Teku Glas feststellen. Wer das Spiegelau bestellen möchte, kann dies bei Bier-Deluxe tun.

Prost!

Im Test: Spiegelau IPA Glas vs. Teku Pokal

Mittwoch, 2. April 2014

Oregon die Zweite: Das Dead Guy Ale von Rogue Ales

Mit dem Dead Guy Ale folgt nun das zweite Testbier aus dem Hause Rogue Ales in Oregon. Zuletzt konnte das Juniper Pale Ale leider nicht sonderlich glänzen und lag aufgrund falscher Hoffnungen sowie fader Gewöhnlichkeit leicht unter dem Durchschnitt. Umso mehr hoffe ich heute, dass mich die Flasche mit dem toten Kerl, der auf dem Etikett vor sich hin grinst, vom Gegenteil überzeugen kann. Der Knochenmann sitzt auf dem Fass, als wolle er mich beim Verknuspern des Gebräus beobachten - Hinweise darauf, was mich erwartet, kann er mir aber leider nicht geben. Ich bin gespannt und hoffe insgeheim auf eine amerikanisch-herbe sowie fruchtige Hopfenbombe. Rein ins Glas.


Der erste Eindruck: Es scheint es sich wohl doch eher um ein Bier zu handeln, welches einem Bock am nächsten kommt. Die bernsteinfarbene bis eichhörnchenbraune, leicht trübe Flüssigkeit, deren Schaum weder cremig noch standhaft wirkt, versprüht in erster Linie karamellige und süßliche Malzaromen. Im Hintergrund schwirrt eine leichte Hopfenblume, welche aber eher an die Verwendung von Bitterhopfen erinnert.


Im Antrunk breitet sich süßliches Flüssigbrot mit einem offenbar hohen Stammwürzegehalt auf der Zunge aus. Der Körper wirkt für 6,5% Alkoholgehalt ziemlich wuchtig und schwer, weshalb die gemäßigte Karbonisierung des Bieres als angemessen bewertet werden kann. Im Finish blitzen ein paar Rosinen durch, welche mit dem durchweg dunklen Charakter gut harmonieren und in der Summe einen karamellig, röstigen Nachtrunk ergeben. Meine Hoffnung auf eine amerikanische Hopfenbombe erlischt leider von Beginn an - vom Aromahopfen fehlt jede Spur. Ich muss zugeben, dass ich wieder wesentlich mehr erwartet habe. Auch dieses Rogue kann mich nicht überzeugen. Diesmal wurde zwar keine besondere Zutat vorgegaukelt, wie es beim Juniper der Fall war, die fade Eintönigkeit ist jedoch mit diesem Gleichzusetzen.

Beim Dead Guy Ale handelt es sich schlicht um einen gewöhnlichen, dunklen Bock ohne Höhen und Tiefen. Durchschnitt eben. Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Fakten: 6,5% vol., Stammwürze/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe