Mittwoch, 26. März 2014

Wacholder im Glas: Das Juniper Pale Ale von Rogue Ales

Bei Rogue Ales in Oregon an der Westküste der USA hat man sich sowohl Bier, als auch Whisky, Gin und Vodka auf die Fahne geschrieben. Mir sind die Bierflaschen schon länger im Getränkemarkt aufgefallen, da sie aufgrund ihres schrillen Comic-Designs und markanten Namen wie "Beard Beer", "Brutal IPA" oder "Chipotle Ale" direkt ins Auge stechen. Ich habe mich spontan für das Dead Guy Ale sowie das Juniper Pale Ale entschieden. Letzteres ist mein heutiges Testbier. Juniper bedeutet Wacholder (lat. Juniperus)  und macht als beerige Zutat die Besonderheit dieses Bieres aus. Gleich vorweg: Ich habe mir sagen lassen, dass man die kleinen, schwarzen Wacholderbeeren als Zutat für Sauerkraut benutzt, allerdings habe ich keinen blassen Schimmer wie sie schmecken. Keine gute Voraussetzung also für diesen Test, aber vielleicht fällt mir ja das gewisse Etwas auf, das auf die Juniper Berries zurückzuführen ist.


Zunächst einmal betrachten wir das Pale Ale im Glas. Feinporiger, weißer Schaum und strahlendes Orange liefern gemeinsam einen optisch netten ersten Eindruck ab. Die Nase vernimmt nicht sonderlich viel. Einige grasige, frische Aromen, wie man sie eher von einem Pils kennt, sind erkennbar. Auch etwas Honig schwirrt im Hintergrund und hinterlässt etwas Süße. An ein Pale Ale erinnert mich das bisher jedoch aufgrund fehlender Hopfenaromen relativ wenig.


Im Antrunk kommt das Bier spritzig mit prickelnder Rezenz angenehm im Mundraum an. Ein guter Einstieg, der so ziemlich in jede Richtung weitergehen kann. Doch dann - passiert erst einmal gar nichts. Gaumen und Zunge samt Geschmacksknospen werden im Stich gelassen, denn weder Hopfen, Malz noch die ominöse Wacholderbeere lassen sich blicken. Sehr wässrig wirkt das Ganze und es dauert eine halbe Ewigkeit bis zumindest eine leichte Herbe einsetzt, welche zusammen mit dem schlanken Malzkörper jedoch immer noch viel zu flach wirkt. Hätte man mir dieses Bier bei einer Blindverkostung als leichtes Pils hingestellt - ich hätte es sofort geglaubt. Ein gutes Pils schmeckt prima, das Rogue will laut Namen aber etwas völlig anderes sein, verfehlt dieses Ziel jedoch leider ziemlich eindeutig. Zum Ende hin bleiben viele Fragezeichen, denn mehr Geschmack kommt auch im Abgang nicht auf. Wieso es sich beim JPA um ein "world champion ale" handeln soll, bleibt mir schleierhaft. Und die Frage, wie Wacholderbeere denn nun schmeckt, konnte mir dieses Bier leider auch nicht beantworten.

Das Juniper Pale Ale will etwas Besonderes sein, bleibt dabei aber leider enttäuschend gewöhnlich. Schade. Ich bin gespannt, ob mir das Dead Guy Ale mehr zusagt. Knusperfaktor 4/10 - Prost!


Fakten: 5,3% vol., Stammwürze/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Wacholderbeeren

Netz: http://www.rogue.com/https://www.facebook.com/RogueAles

Mittwoch, 19. März 2014

Echter Mönchsstoff: Das Benno Dubbel Trappistenbier der Brauerei Stift Engelszell

Bei meinem heutigen Testbier handelt es sich um ein Trappistenbier. Es gibt weltweit tatsächlich nur zehn Brauereien (sechs in Belgien, zwei in den Niederlanden, eine in den USA und eine in Österreich) die diese "Art" von Bier brauen. Diese beschreibt dabei jedoch nicht die Brauart, sondern vielmehr die Rahmenbedingungen unter denen das Bier gebraut wird. Trappistenbrauereien haben einige Kriterien zu erfüllen, damit sie das kleine schwarze "Authentic Trappist Product" Siegel auf der Flasche tragen dürfen. So muss das Bier durch oder unter Aufsicht von Trappisten in deren Kloster oder dessen unmittelbarer Umgebung gebraut werden. Den Erlös spendet der im 17. Jahrhundert gegründete römisch-katholische Mönchsorden dann an Stiftungen und soziale Werke. Eine gute Sache. Doch schmeckt das Bier denn auch? Im österreichischen Stift Engelszell braut man zwei Sorten, "Gregorius" und "Benno". Das Benno ist ein Spezialbier in Form eines Dubbel mit 6,9% Alkohol sowie Honig als Gärungsverstärker und wird nun endlich geöffnet.


Strahlend blank liegt das Bier kaminrot zusammen mit einem nicht ganz so standhaften Schaum im Glas. Es verprüht leicht säuerliche Hefenoten mit Tendenz zu Maischegeruch nach Apfel und anderen etwas zu sreng vergorenen Früchten. Auch etwas Rauchmalz blitzt hindurch.


Der Antrunk verläuft säuerlich gepaart mit dunklen, holzigen sowie nussigen Noten. Dazu gesellen sich wieder vergorene Früchte, die zusammen mit einer ordentlichen Herbe gut harmonieren. Leider tue ich mich, wie zuletzt beim Russian Imperial Stout der Brauerei Břevnovský Benedict, bei der Säure etwas schwer. Diese kippt zusammen mit dem relativ schweren Körper etwas im Mund. Allerdings hält sich die Balance zusammen mit dem herbstlichen Obst und den bitteren Nuancen ganz gut, sodass der Abgang angenehm vollmundig und etwas an Apfelwein erinnernd die Kehle herunterfließt. Die Kohlensäure bleibt dabei gut dosiert und verleiht dem Ganzen ein nicht zu wässriges Mundgefühl.

Das Trappistenbier Benno ist trotz Hang zur Säure insgesamt ein vollmundiges und leckeres Dubbel. Es bekommt inklusive Bonuspunkt für die Spende des Bier-Erlöses 7/10 Knusperfaktoren - Prost!


Fakten: 6,9% vol., Stammwürze/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Samstag, 15. März 2014

Das Dolden Boom Double IPA: Eine Bavaria-Brooklyn Kooperation

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das erste IPA von Braumeister Maximilian Krieger zumindest hier im Blog bisher versäumt habe zu verknuspern. Dabei gehört der "Dolden Sud" mittlerweile zum festen Inventar des Riedenburger Brauhauses, wo man besonders auf Herkunft und ökologischen Anbau der im Bier verarbeiteten Rohstoffe achtet. Heute soll es jedoch nicht der Dolden Sud, sondern die neueste Kreation aus dem Altmühltal bzw. New York sein. Ja, richtig gelesen. In einzigartiger Kooperation mit den beiden Braumeistern Tom Villa und Rob Lemery der erfolgreichen Brooklyn Brewery entwickelten die drei "Rock'n Roll Brauer" in gemeinsamer Zusammenarbeit etwas Neues - den "Dolden Boom". Ein Double India Pale Ale mit 8,0% Alkohol, fünf verschiedenen Hopfensorten (davon zwei aus Deutschland und drei aus den USA) und den für das Riedenburger Brauhaus bekannten Urmalzen Gerste, Emmer und Dinkel aus Bioland Anbau. Es steckt also so einiges in der kleinen 0,33er Flasche, welche wie auch der Dolden Sud ohne Frage stylisch aufgemacht und mit vielen Infos (leider nicht den Hopfensorten und Bittereinheiten) versehen ist. Nun steigt langsam die Vorfreude während das Bier ins Glas gleitet.


Die Nase vernimmt als Erstes - wie soll es auch anders sein - die Wucht der fünf Dolden. Eine immense Wolke von Mango, Nektarine und allerlei Steinfrüchten wird freigesetzt. Hinzu gesellt sich allerdings auch eine herbe Kräuternote, die von den verschiedenen Malzsorten stammen könnte. Ansonsten lässt sich das DIPA schön im Glas betrachten. Der Farbton tendiert vom ansprechend unfiltrierten, trüben Rot hin zu einem leicht schlammigen Braun gepaart mit einem weichen, weißlich-beigen und feinporigen Schaum. Man kann bereits über Optik und Geruch vernehmen, dass es sich hier um ein äußerst gehaltvolles Bier handelt.


Der erste Schluck. Was soll ich sagen? In der Anfangsphase haut mich selbstverständlich erst einmal der Hopfen um, der seine Power elegant um eine moussierende Flüssigkeit schlingt und den Mundraum direkt mit feinstem Multifrucht-Aroma umschmeichelt. Nicht so sehr Zitrus, sondern eher reife Mango sowie Kiwi und Johannisbeere stehen im Vordergrund. Alles wird von einem Körper mit voller Malzkraft und einer gut dosierten Süße getragen. Dies lässt das Bier unheimlich reichhaltig erscheinen. Da passt es, dass die Kohlensäure sich etwas zurückhält und nur leicht prickelt um dem Spiel von Hopfen und Malz nicht zu sehr im Wege zu stehen. Zum Ende wird es knackig trocken, was zusammen mit der Vollmundigkeit der 8,0% einen runden Abgang bereitet. Ich bin jetzt schon froh, dass ich nicht nur eine Flasche davon habe.

Beim Dolden Boom fusionieren Hopfen und Malz sowie deutsche und amerikanische Braukunst hervorragend. Die Bio-Geschmacksexplosion fetzt und erhält die volle Punktzahl. Knusperfaktor 10/10 - Prost!


Fakten: 8,0% vol., Stammwürze: 18°P, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Emmermalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe



Dienstag, 4. März 2014

Pechschwarzes Pivo aus Prag: Das Russian Imperial Stout der Brauerei Břevnovský Benedict

Heute verknuspere ich ein Russian Imperial Stout, also ein sehr dunkles Bier für dessen Herstellung ein erheblicher Anteil an Röstmalzen verwendet wird. Der obergärige Bierstil hat seinen Ursprung in England, wo er im 18. Jahrhundert für den Hof der russischen Zarin Katharina der Großen gebraut wurde. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, entdeckten zunächst viele Mikrobrauereien der USA das Russian Imperial Stout für sich wieder. Heute erfährt es einen regelrechten Boom, denn auch in Deutschland finden immer mehr Brauereien Gefallen an Kaffee- und Schokoladennoten bei einem relativ starken Alkoholgehalt von 8 bis 10 Prozent. Der heutige Testkandidat ist allerdings ein Mitbringsel aus Tschechien und kommt aus der Klosterbrauerei Břevnovský Benedict in Prag, welche neben Weizen, IPA und Bock auch ein RIS am Start hat. Ich bin sehr gespannt und öffne die kleine Maurerhülse mit Plopp-Verschluss.


Mein erster Eindruck: So ein pechschwarzes Bier habe ich noch nie gesehen. Wow. Es schenkt sich ein wie ein verdammt starker Kaffee, gemischt mit etwas Altöl. Das erweckt durchaus einen zähflüssigen Eindruck, einzig der farblich in Richtung Vollmilchschokolade tendierende Schaum erinnert mich wieder daran, dass es sich hierbei um Bier handelt. Als wollte es etwas verheimlichen, fällt die grobporige Krone ziemlich schnell zusammen und hinterlässt ein schwarzes, undurchschaubares Loch. Von der Optik bin ich sehr angetan, vom Geruch hingegen ist nicht sonderlich viel zu vernehmen. Leichte Säure zusammen mit einem Hauch von Röstmalz. Da geht geschmacklich sicher mehr.


Im Antrunk sehr viel Säure und eine etwas zu schlapp prickelnde Rezenz, dazu macht das Malz einen trockenen Eindruck. Direkt im Anschluss wissen die Geschmacksknospen eigentlich schon gar nicht mehr, welche Signale sie als erstes ans Gehirn senden sollen - sauer oder bitterherb. Beides kommt jedenfalls mit einer immensen Wucht an. Vielleicht kennt der ein oder andere das Hausmittel gegen Kopfschmerzen, einen doppelten Espresso mit Zitronensaft zu trinken. In etwa genau so schmeckt dieses Stout, viel Zitrone in viel zu starkem Espresso. Die Kombination harmoniert in diesem Fall einfach nicht, etwas mehr Süße hätte hier vielleicht als Puffer entgegenwirken können. Zuletzt hallt geschmacklich außer dieser extremen Tendenz auch nicht mehr viel nach, es bleibt bittersauer am Gaumen. Vielleicht bin ich auch einfach zu schwach für dieses Bier, aber mir ist das zu stark in eine Richtung. Hoffentlich gefällt mir das nächste RIS besser, denn den Stil an sich finde ich sehr spannend!

Das Russian Imperial Stout der Brauerei Břevnovský Benedict bekommt für sein extrem ausuferndes Aroma daher leider nur 4/10 Knusperfaktoren - Prost!


Fakten: 8,5% vol., Stammwürze: 21°P, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Röstmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Netz: http://brevnovskypivovar.cz

Sonntag, 2. März 2014

Nordisch frisch: Das Northern Light Pale Ale der Orkney Brewery

Bei einem so milden Winter und pünktlich zum meteorologischen Frühling ist es an der Zeit etwas Leichteres zu verknuspern. Für den heutigen Test habe ich mir das Northern Light Pale Ale der schottischen Orkney Brewery ausgesucht. Orkney ist eine Inselgruppe nahe der schottischen Nordküste auf deren Hauptinsel Mainland sich in der Nähe der legendären jugendsteinzeitlichen Siedlung Skara Brae die 1988 gegründete Orkney Brewery als Tochterbrauerei der Sinclair Breweries befindet. Genauso reizend wie die Gegend klingt auch das bierige Sortiment aus Orkney, weshalb ich mich nun auf das Nordlicht mit der See auf dem Etikett und lockeren 4,0 Vol-% freue.


Beim Einschenken schäumt das Ale schön im Glas auf. Es bildet sich eine schneeweiße Schaumkrone, welche standhaft wirkt. Das Bier ist stroh-gelb, leicht trüb und verströmt passend dazu angenehm frische und blumige Aromen nach Getreide, Honig sowie Zitrusfrüchten - bisher sehr angenehm und passend.


Der Antrunk ist leicht und erfrischend rau. Das heißt, die Rezenz ist gut dosiert und prickelt gleich zu Beginn, was wunderbar zum schlanken, aber honigsüßlichen Malzkörper passt. Auch die Hopfensorten Hallertauer Hersbrucker, Saaz und Liberty lassen nicht lange auf sich warten und gliedern sich mit Fruchtigkeit, aber auch einer feinen Herbe ins Kornbett ein. Der Abgang bleibt spritzig und hinterlässt noch etwas Honigsüße mit Stroh an Gaumen und Zunge. Das Ganze ergibt eine leichte aber sehr harmonische und erfrischende Kombination, wie sie hierzulande etwa bei einem Citra Ale vom Hopfenstopfer oder dem Atlantik Ale von Störtebeker zu finden ist. Insgesamt gibt es wenig zu meckern. Wer aber Lust auf solch ein Pale Ale der schlankeren Gewichtsklasse hat, kann auch auf die mittlerweile große Auswahl der deutschen (Craft-) Bierbrauereien zurückgreifen.

Für das Northern Light aus Orkney gibt es solide 7/10 Knusperfaktoren - Prost!


Fakten: 4,0% vol., Stammwürze/BE: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Netz: http://www.sinclairbreweries.co.ukhttps://www.facebook.com/orkneybrewery