Dienstag, 28. Januar 2014

Das Roggen der Stiftsbrauerei Schlägl

In Österreich existiert traditionell eine starke Verbindung zwischen Kirche und Bier, weshalb es dort viele stiftseigene Brauereien gibt. Dazu gehört auch die Stiftsbrauerei der kleinen, etwa 1300 Einwohner großen Gemeinde Schlägl in Oberösterreich. Einige Bierspezialitäten werden dort gebraut, unter anderem mein heutiger Testkandidat - das Roggenbier. Ich bin gespannt, inwiefern sich ein 50/50 Verhältnis von Gersten- und Roggenmalz auf den Geschmack auswirkt.


Farblich beeindruckt das Bier schon mal durch ein wunderschönes und sattes gold-orange, das durch eine blitzend blanke Klarheit noch mehr zum Vorschein kommt. Geruchlich sind grasige Pilsnoten, süßlicher Honig, etwas metallisches sowie frische Brötchen zu vernehmen. Ein einladender erster Eindruck, wobei beim Einschenken auffällt, dass sich ziemlich wenig Schaum bildet. Ob sich zu wenig Kohlensäure auch beim Verkosten bemerkbar macht?


Leider ja. Das Bier wirkt zu Beginn etwas fad und abgestanden. Schade, denn nach einem holprigen Start geht es dann doch ganz gut weiter. Eine feine Herbe kommt auf und Mr.Hopfen lässt gleich mal etwas Frische in die Bude. Wie ein Pils mit einem etwas kernigeren, dichter bewachsenen Malzbett wirkt das Schlägl Roggen auf mich. Würzig-herb mit eigenem Malzcharakter, der auch im Abgang dominiert und einen Hauch von Mehrkorn-Brötchen hinterlässt.

Zu Beginn a bissl fad, danach schlüssig aber keine Sensation. Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Fakten: 5,2% vol., Stammwürze: 12,3°P, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Malz (Gerste, Roggen), Hopfen


Mittwoch, 22. Januar 2014

Das "Miel Harmonie" der Bendorf Microbrasserie Strasbourgeoise

Heute gibt es mal wieder etwas feines aus Frankreich auf den Tisch. Im Getränkekeller steht schon seit geraumer Zeit das "Miel Harmonie" der Mikrobrauerei bendorf in Straßburg. Bei meinem letzten Urlaub wurde mir dieses Bier wärmstens empfohlen, weshalb ich mich sehr freue es jetzt zu verknuspern. Zunächst einmal habe ich mir jedoch den Spaß gemacht und den französischen Text auf dem Etikett bei Google-Translate übersetzen lassen. Hier das Ergebnis:
"Stout Honig-Blumen: Mit einer Leiter Ausnahme, gibt jedem die beste Instrumentalist von sich. Heute Abend laden wir Sie zu einem funkelnden Konzert, wo Ihre Ohren werden verblüfft durch chromatische Kompositionen Brauer begeistert sein. Es hat funktioniert Honig, Malz und Hopfen mit großer Begeisterung, ihre, ihr volles Potenzial zu machen; Aromen verbinden sich in einer erhabenen Harmonie."
So. Das mit der Leiter lassen wir mal dahingestellt. Ansonsten gibt der Text preis, dass es sich um ein Stout handelt, welches mit Honig veredelt wurde, um zu einem harmonischen Geschmackskonzert einzuladen. Fünf verschiedene Malzsorten u.a. "Chocolat" verraten außerdem, in welche Richtung es geschmacklich gehen wird. Ich bin gespannt!


Auf dem Foto ist der grobporige, leicht bräunliche und gut aufbrausende Schaum zu erkennen. Das Bier ist schwarzbraun wie die Haselnuss sowie durch etwas Hefesatz leicht trüb. Der Geruch ist zunächst kräftig nach Malz und Brotrinde. Etwas blumig-süßliches vom Honig ist ebenfalls zu vernehmen. Ziemlich angenehm und nicht aufdringlich.


Der Antrunk: Trockener als gedacht. Ich finde, der Honig fügt sich gut in die Geschichte ein. Wahrscheinlich wurde er vor der Gärung zugesetzt, sodass am Ende wenig Restzucker für ein aromatisches und nicht in die pappige Süße rutschendes Geschmackserlebnis sorgt. Die 7% vol. Alkohol und eine ziemlich sprudelige Rezenz sorgen für ein volles Mundgefühl und unterstreichen die Wuchtigkeit des Biers. Im Nachtrunk bleiben Röstaromen, ein wenig Bitterschokolade sowie etwas Säure hängen. Ansich eine Runde Sache, dennoch fehlt mir ein kleines bisschen das intensive "Honigtoast vom Frühstückstisch" Erlebnis, wie ich es neulich beim Honigbier der Brauerei Hofstetten hatte. Hier stehen dem Honig die fünf starken Malzsorten etwas zu sehr im Weg.

Insgesamt immer noch ein feines, harmonisch-trockenes Stout. Knusperfaktor 7/10 - À votre Santé!


Fakten: 7,0% vol., Stammwürze: Keine Angabe, Bittereinheiten: 35 IBU

Zutaten: Wasser, Malz (Pale Ale, Munich 25, Carambré, Chocolat, blé), Hopfen (Brewers Gold, Summer), Hefe


Donnerstag, 16. Januar 2014

Das Simco 3 der Riegele BierManufaktur

Von der Riegele BierManufaktur in Augsburg gibt es die Reihe der Brauspezialitäten. Diese kreiert kein anderer als der Biersommelier Weltmeister 2011 Sebastian Priller-Riegele. Es gibt insgesamt 8 Biere dieser Reihe, vom Ale bis zum Stout. Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass ich es fruchtig mag, weshalb ich mit dem "Hopfigen Lebensglück" namens Simco 3 in die Welt der Augsburger Brauspezialitäten starte. Der Name ergibt sich aus den 3 gewählten Hopfensorten Hallertauer Perle, Opal und dem schließlich zur Hopfenstopfung gewählten amerikanischen Simcoe. 


Beim ersten Eindruck werde ich nicht enttäuscht. Das dunkel-orange bis karamellfarbene, trübe Ale versprüht sehr fruchtige Noten von Traube, Holunder, Litschi und Mango - herrlich. Die feinporige Schaumkrone glänzt durch Standhaftigkeit und ich freue mich auf den ersten Schluck.


Im Antrunk entlädt sich der Obstkorb zunächst und verwöhnt die Zunge mit harmonischer Fruchtigkeit. Dabei bleibt die Rezenz prickelnd frisch und rundet den ersten Eindruck dezent ab. Das Bier bleibt ungemein schlank, was sich auch zur Mitte hin durchzieht. Neben den 3 hopfigen Hauptdarstellern verblasst der Nebendarsteller namens Malz etwas und könnte für meinen Geschmack ein kleines bisschen mehr Würze zeigen. Auch etwas mehr Feinherbe würde ich mir bis hin zum Abgang wünschen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau - die Hopfenkombination ist schlüssig, harmonisch und super intensiv. So dominieren auch im Nachtrunk konsequent Mango, Litschi und Konsorten. Wie schon auf dem, im Übrigen sehr schön gestalteten, Etikett beschrieben (leider fehlen aber Stammwürze und Bittereinheiten) eignet sich das Simco 3 mit seinen 5,0% sicherlich sehr gut als leichter, fruchtiger Aperitif. 

Insgesamt finde ich, dass der Name "Hopfiges Lebensglück" mehr als zutrifft und bin überrascht, wie schnell eine 0,66l Flasche leer sein kann. Ich kann es kaum erwarten die anderen Sorten zu verknuspern. Knusperfaktor 8/10 - Prost!


Fakten: 5,0% vol., Stammwürze/IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Steffi, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Hallertauer Perle, Opal, Simcoe), Hefe



Dienstag, 7. Januar 2014

Das Braustübl 'Craft No.166' IPA der Darmstädter Privatbrauerei

Die erste Verknusperung in diesem Jahr steht an, und zwar teste ich heute ein IPA aus der Braustübl-Reihe der Darmstädter Privatbrauerei. Die Braustübl-Sorten von Pilsner über Hell bis zum Vollmondbier gibt es normalerweise nur in der Bügelflasche. Bei dieser Sorte hat man sich für den Kronkorken entschieden. Die Namensgebung des Craft No. 166 wird auf der Rückseite des Etiketts erklärt und lautet wie folgt: 
"Aus der Erfahrung von mittlerweile 166 Jahren und der unbedingten Leidenschaft unserer Braumeister für handwerklich gebrautes Bier, entstand die Idee für diese außergewöhnliche Spezialität: ein kupfern leuchtendes India Pale Ale, das durch die Beigabe von Mandarina Bavaria Hopfen im Kalthopfungsverfahren, zu einem intensiven Geschmackserlebnis mit fein-fruchtigem Zitrusaroma reift!"
Große Töne werden also gespuckt und man versucht mit prägnanten Schlagworten wie Handwerk und Geschmackserlebnis sowie einem stattlichen Preis von 2,39€ pro 0,33l Flasche auf der deutschen Craft-Bier Welle mitzusurfen. Die Marketing-Abteilung hat sich natürlich auch mächtig ins Zeug gelegt und ein flottes Etikett mit der Aufschrift 'India Pale Ale Style' gezaubert. Das erinnert mich irgendwie an Wortkreationen wie 'Wiener Schnitzel Art'. Aber das ist ja wieder etwas anderes. Lassen wir den Inhalt der Flasche sprechen und hoffen, dass sich all der Aufwand gelohnt hat.


Im Glas liegt eine kupfern bis bernsteinfarbene Flüssigkeit, deren weißlich bis hellbrauner, eher grobporiger Schaum sich nicht so wirklich zu einer Krone erheben will. Das Bier ist leicht trüb, aber eben nur sehr leicht. Auf mich macht es einen doch etwas blank-filtrierten Eindruck. Das Foto täuscht da etwas, da das kühle Bier für Kondenswasser am Glas sorgte und so trüber erscheint. Geruchlich ist wahrlich nicht viel zu vernehmen. Ich erkenne Aromen, die mich eher an ein Pils erinnern. Grasig-frisch bis floral. Ansonsten keine Spur von Zitrus. Es gibt IPAs, da fall ich schon beim Geruch vom Stuhl. Hier muss ich mich tatsächlich anstrengen, um überhaupt irgendetwas zu erriechen. Mal sehen ob geschmacklich noch was kommt.


Nunja. Ich würde sagen, dass auch der Geschmack an Täuschung grenzt. Der Antrunk ist leicht und schlank. Es ist nicht so, dass das Bier wässrig ist, aber es fehlt hier einfach an Inhalt. Über die durchaus vorhandene Herbe sowie eine angenehm prickelnde Rezenz kann man nicht meckern, jedoch steht die Herbe in keinem Verhältnis zum Körper des Bieres, der einfach zu wenig Volumen hat. Hier fehlt auch das beliebte moussierende Mundgefühl und eine gewisse Viskosität oder Öligkeit, welche als Geschmacksträger ein IPA zu einem intensiven Geschmackserlebnis werden lässt. Tja und der Mandarina Bavaria Hopfen. Ich suchte ihn vergebens. Erst im Nachtrunk macht er Anstände sich zu zeigen und hinterlässt bei mir eher aprikosige Geschmackseindrücke, die aber immerhin in die richtige fruchtige Richtung gehen. Dabei handelt es sich aber eher um ein Aufblitzen des Aromahopfens, denn schnell verfliegt die Aprikose und verabschiedet sich wieder. Das klingt alles extrem negativ, aber ich finde bei einem solchen Preis und den oben zitierten großen Tönen kann man sich diese Kritik durchaus auch mal erlauben. Ich kaufe wirklich sehr gerne und sehr oft Craft-Bier in dieser Preisklasse, weil ich dafür auch aufgrund eines wahren Geschmackserlebnisses ein super Preis-Leistungs-Verhältnis bekomme. Hier fühle ich mich ein kleines bisschen veräppelt. 

In meinem Einkaufskorb wird das Braustübl Craft No. 166 nicht mehr landen. Knusperfaktor 3/10 - Prost!


Fakten: 6,7% vol., Stammwürze: 16,6°P, IBU: 57

Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe