Montag, 8. Dezember 2014

Advent, Advent: Das Weihnachtsbier von Mönchshof

Aus Kulmbach kommt das nächste Bier der kalten Jahreszeit. Und zwar gibt es heute das Weihnachtsbier von Mönchshof ins Glas. Mit etwas mehr Stammwürze sowie Alkohol als das 'Original' soll dieser Tropfen mehr kräftige Würze auf den Festtagstisch zaubern. Dazu soll eine dezente Hopfennote für den letzten Schliff sorgen. Es macht Plopp und schon kann's losgehen mit der Verknusperung.


Notizen
  • Schaum: Dicke Krone, schneeweiß, stabil
  • Farbe: Kräftiges Gelb mit leichtem Orangestich, blank
  • Geruch: Malzsüßlich, heuartig, seifig

Im Antrunk präsentiert sich das Weihnachtsbier überraschend leicht, ja fast schon erfrischend. Die Kohlensäure übertreibt es nicht und gefällt mir beim Einstieg ziemlich gut - schönes Mundgefühl. Der Malzkörper ist zwar auch mit einigen süßlichen Akzenten vorhanden, fällt alles in allem aber relativ flach aus. Die gelb-orangene Farbe in Kombination mit der Stammwürze suggeriert dem Verkoster da etwas mehr Vollmundigkeit, was ich recht schade finde. Dennoch sorgt das leicht karamellige Fundament für eine angenehme Süffigkeit, was zur Mitte hin von herben Hopfennoten solide aufgefangen wird. Zum Schluss kommt leider ein leicht metalliger sowie seifiger Nachgeschmack auf, der mir nicht so gut gefällt. Am Gaumen bleibt im Abgang noch etwas Bittere vom Hopfen hängen, was wiederum positiv hervorzuheben ist. 

Insgesamt eine durchwachsene Leistung aus dem Hause der Kulmbacher Brauerei. Wenig Wiedererkennungswert, aber eine ordentliche Drinkability.

Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 5,6% vol., Stammwürze: 13,4%, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Netz


Bezugsquellen

Deutschlandweit in vielen Getränkemärkten



Dienstag, 2. Dezember 2014

Ein Bier wie ein Baum: Der Aecht Schlenkerla Eiche Doppelbock

Das nächste Bier der Vorweihnachtszeit steht auf dem Plan und wartet darauf verknuspert zu werden. Es kommt aus der Brauerei Heller in Bamberg, besser bekannt als Brauerei Schlenkerla, von deren Rauchbieren ich ein großer und bekennender Anhänger bin. Bisher erfreute sich mein Gaumen am Märzen und Weizen, welche mir beide mit ihrem Lagerfeuer-Holz-Schinken-Aroma bisher immer wieder viel Freude bereiteten. Heute darf es ein drittes Rauchbier aus dem Hause Schlenkerla sein, und zwar der Eiche Doppelbock, den es ausschließlich zur Adventszeit gibt. Das Besondere bei diesem Tropfen ist, dass das Malz nicht wie bei den beiden anderen, über Buchenholz, sondern über loderndem Eichenholz getrocknet wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich das auf den Geschmack des Doppelbocks mit 8% Alkoholgehalt auswirken wird. Los geht's!


Notizen
  • Schaum: Cremig, weißlich-beige, angenehm standhaft
  • Farbe: Tiefbraun, dabei klar & kaminrot funkelnd
  • Geruch: Rauchintensiv, sehr vielschichtig. Holzig, torfig, brotig, süßlich-röstig


Knusperfazit

Schon beim Einschenken kommt der Schlenkerla 'Oak Smoke' sehr gehaltvoll daher und macht einen ölig-massiven Eindruck. Unweigerlich muss ich an den riesigen, schweren Eichenschrank im Wohnzimmer meiner Eltern denken. Der erste Schluck verläuft jedoch sehr weich und wirkt im Vergleich zu den anderen beiden Rauchbieren aus Oberfranken etwas milder, was nicht zuletzt an einer fein dosierten Kohlensäure liegt. Vordergründig ist im Antrunk die sanfte Rezenz sowie die Malzsüße gepaart mit den ersten Zügen des Eichenrauch-Aromas. Dieses entfaltet sich im weiteren Verlauf einfach klasse und macht das Bier für mich zu flüssigem Holz - ein Bier wie ein Baum! Wirklich Wahnsinn, was man mit Malz alles anstellen kann. Der karamellig-röstige Körper bietet das perfekte Fundament, in welches sich die Holzaromen einbetten können, um sich bis zum Abgang vollmundig auszubreiten. Die 8% Alkohol passen wunderbar und unterstreichen den Geschmack, jedoch ohne dabei zu aufdringlich zu werden. Zum Ende kommt etwas Herbe durch, was dem Ganzen noch mehr Balance sowie den letzten Schliff verleiht. Wenn ich mir den Text bis hier durchlese, dann merke ich, dass dieser Post schon wieder auf die volle Punktzahl hinausläuft. Und genau so ist es auch!

Der Eiche Doppelbock entspricht zu 100% meinen Erwartungen. Die volle Bandbreite der Raucharomen wird hier in einem wohlig-vollmundigen Malzkörper geboten. Dabei kommt das Eichenholz sensorisch ausgezeichnet zur Geltung.

Knusperfaktor 10/10 - Prost!




Beerfacts

Alkohol: 8,0% vol., Stammwürze: Keine Angabe, Bittereinheiten: 40 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Sonntag, 23. November 2014

Ein wahres Winter IPA: Das Hopfenstopfer Seasonal Special Ale

Ich liebe den Winter und ich liebe die passenden Biere, die zur kalten Jahreszeit am knisternden Kamin so richtig Spaß machen. Dass es sich dabei nicht immer um ein malzbetontes Bockbier handeln muss, bewies Thomas 'Hopfenstopfer' Wachno schon im letzten Jahr mit seinem Seasonal Special Ale, welches als IPA mit Chinook, Cascade, Amarillo und Citra Hopfen kaltgehopft wurde. Und auch im Jahr 2014 finden diese Sorten Platz in der kürzlich erschienenen neuen Auflage des Jahrgangsbieres. Satte 8,2% Alkohol sowie 50 IBU und 18,5% Stammwürze stecken in der Flasche, die in meinem Getränkeladen des Vertrauens gerade einmal 1,29€ kostet. Ich finde das ist ein Hammerpreis, der im deutschen Craft Bier Segment seinesgleichen sucht. Doch schmeckt es denn auch? Die Verknusperung wird es zeigen!


Notizen

  • Schaum: Cremig-weißlich, standhaft
  • Farbe: Orange bis rötlich Braun
  • Klarheit: Gleichmäßig trüb
  • Geruch: Sehr Fruchtig, Citrus und Beeren sowie ein Hauch Honig und Karamell

Für gerade einmal 1,29€ ist das Seasonal Special Ale bei Maruhn - Welt der Getränke in Darmstadt erhältlich!

Knusperfazit

Zurückhaltende Kohlensäure bildet, zusammen mit dem vollen sowie süßlichen Malzkörper, einen wunderbar weichen Einstieg. Die Stammwürze ist durchaus präsent, wirkt aber nicht übertrieben und passt gut ins Bild des sanften Antrunks, welcher durch die 8,2% Alkohol sehr wohltuend wirkt. Im richtigen Moment knüpfen nun die Bittereinheiten des Hopfens an und sorgen für Abwechslung - das nenne ich perfektes Timing! Herbe Fruchtaromen von Blutorangenschalen sowie roten Beeren bieten ein harmonisches, sehr rundes Geschmacksbild, das vom Karamellfundament und einigen Waldkräutern im Hintergrund einfach klasse getragen wird. Hinzu kommt ein honigsüßer Abgang, der zum Finish noch eine ordentliche Bitterness auf die Zunge zaubert. Ich kenne dieses IPA wie gesagt schon vom letzten Jahr, bin aber immer wieder begeistert von seinem breiten Spektrum an Aromen, welche sich im Mundraum bis zum Ende voll entfalten. Das ist wirklich großes Kino! Und dann auch noch dieser unschlagbare Preis (Nicht falsch verstehen, ich bezahle auch sehr gerne und aus Überzeugung viel Geld für gutes Bier. Ich finde es in diesem Fall nur einfach mal erwähnenswert!). Sichert euch noch einen Kasten zur Adventszeit, denn das Seasonal Special Ale gibt es natürlich nur so lange der Vorrat reicht!

Es gibt absolut nichts zu meckern. Ganz klare Empfehlung für Fans von starken, fruchtigen IPAs. Volle Punktzahl!

Knusperfaktor 10/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 8,2% vol., Stammwürze: 18,5°P, Bittereinheiten: 50 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Münchner, Caramel), Hopfen (Chinook, Citra, Cascade, Amarillo), Hefe

Netz

Hopfenstopfer.de
facebook.com/Hopfenstopfer

Bezugsquellen

hopfenstopfer.de (1,62€ pro Flasche)
bier-deluxe.de (1,99€ pro Flasche)
maruhn.de (1,29€ pro Flasche)


Sonntag, 16. November 2014

Verknuspert: Aventinus Eisbock von Schneider Weisse

Wer hat an verregneten Sonntagen nicht mal Lust auf etwas Besonderes? Deshalb gönne ich mir heute ein Bier, das unter Bock Kennern durchaus einen sehr hohen Status genießt. Beim Aventinus Eisbock von Schneider Weisse handelt es sich um einen Weizendoppelbock mit satten 12 Volumenprozent in der 0,33 Liter Flasche. Das macht den öden Sonntag doch mit Sicherheit zu einem angenehm wohlig-warmen Erlebnis. Die Erwartungen sind recht hoch, bin ich doch ein riesen Fan der Kreationen aus der Weissbierbrauerei in Kelheim.


Notizen

  • Schaum: extrem stabil, sehr cremig, leicht "schmutzige" Farbe
  • Farbe: Nussbraun bis Schwarz
  • Klarheit: Mittelmäßig trüb, guter Hefebodensatz
  • Geruch: Extrem nach Banane, brotig, süßlich, hefig, Karamell


Knusperfazit

Toller Antrunk, der mir als erstes ein fettes "wow" in den Sinn zaubert. Der Schaum, der schon beim Einschenken als extrem stabil aufgefallen ist, umsäuselt zusammen mit der schwer und ölig wirkenden Flüssigkeit sowie der auf den Punkt dosierten Kohlensäure den Mundraum. Butterweicher Einstieg! Zur Mitte kommt natürlich etwas Alkohol durch, sodass der Eisbock zwischenzeitlich fast an Weihnachtslikör erinnert, jedoch reißt das Geschmacksspektrum das Ruder wieder in Richtung Weizen herum und es dominiert ganz klar der hefige Bananengeschmack, der durch das dunkle Malz wunderbar getragen wird. Ich musste unweigerlich an Bananenchips, Bananenbrot aber auch an Torte mit Marzipan denken, während sich das Bier im Mundraum langsam dem Abgang entgegen neigte. Zum Ende kommt die Restsüße der 25,5 % Stammwürze noch einmal wunderbar zum Tragen und verdeutlicht, dass dies ein perfektes Digestif zu Tiramisu oder Crêpes als Dessert-Begleiter nach einem festlichen Mahl sein kann. Klare Empfehlung für Heiligabend bei der Familie. Ich werde es genau dafür besorgen!

Kein Bier für jeden Tag, das steht fest. Dafür ein sehr aromatischer Weizendoppelbock für ganz besondere Anlässe.

Knusperfaktor 8/10 - Prost!



Beerfacts

Alkohol: 12,0% vol., Stammwürze: 25,5°P, Bittereinheiten: 15 IBU

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Netz


Bezugsquellen

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Und guad die Zweite: Das Wampenbräu Centalaxy IPA

Aus Bichl kommt mein heutiges Testbier, welches den galaktischen Namen Centalaxy IPA trägt und wie auch das zuvor getestete Amber Ale von den Wampenbräu Jungs um Mr. usoX Bierblog (hier im Portrait bei Feiner Hofen) gebraut wurde. Vielen Dank an dieser Stelle für die zur Verfügung gestellten Testflaschen, deren Etikett oberbayerische Stilelemente und Schriftzüge mit allen wichtigen Informationen um dieses India Pale Ale vereint. So ist nicht zu übersehen, dass es sich hierbei um einen sehr stark gehopften Vertreter handelt, der mit satten 64 Bittereinheiten sowie einer Stammwürze von 17,2% und daraus resultierenden 7,5% vol. Alkoholgehalt in die Vollen geht. Deutsche Vergleichsbiere in dieser Klasse wären beispielsweise der Doldenboom vom Riedenburger Brauhaus oder auch das 7:45 Escalation der CREW Republic, bei denen es sich ebenfalls um zwei stark hopfenbetonte IPAs handelt. Das Centalaxy trägt seinen Namen aufgrund der beiden verwendeten Hopfensorten Centennial und Galaxy, die natürlich eine ordentliche Portion Fruchtigkeit  mit ins Spiel bringen sollen. Und da ich ein großer Fan von fruchtig-wuchtigen Ales bin, freue ich mich nun auf die Verknusperung...


Notizen

  • Schaum: stabile, cremefarbene Schaumkrone, samtige Haube
  • Farbe: rötlich funkelnd bis nussbraun
  • Klarheit: gleichmäßig, leicht trüb
  • Geruch: vor allem tropisches Obst und Beeren mit einem Hauch Honig


Knusperfazit

Im Mundraum entfalten sich sofort Aromen von Maracuja, reifer Erdbeere sowie etwas Ananas und ganz hinten eine zurückhaltende Prise Zitrus, welche aber kaum ins Gewicht fällt. Man merkt sofort, dass die Hopfensorten bei diesem IPA bewusst gewählt worden sind, um die Fruchtigkeit dunkler und exotischer Früchte hervorzuheben. Diese harmonieren schön mit dem vollen Malzkörper, der sich nicht aufdringlich in den Vordergrund schiebt, sondern eine leichte Honigsüße als Basis und Puffer für die 64 IBUs bildet. Abgerundet wird das ganze durch eine leicht harzige Note, die noch etwas Kräuterflair mit ins Spiel bringt. Gekonntes Handwerk zeigt sich auch bei der Karbonisierung, die sich durch eine angenehme Rezenz mit feinem Mundgefühl bemerkbar macht. Auf der Zielgeraden ziehen die Bittereinheiten nochmal kurz an, bevor sie mir dann aber fast schon zu mild vom weichen Malzkörper die Kehle hinabgetragen werden. Dennoch klingen Centennial und Galaxy lange nach und hinterlassen einen fruchtigen Eindruck.

So mag ich das. Eine wirklich runde Sache, das neue Centalaxy IPA von Wampenbräu.

Knusperfaktor 9/10 - Prost!

Wer auch mal eine Wampe trinken will, kann sie sich hier besorgen.


Beerfacts

Alkohol: 7,5% vol., Stammwürze: 17,2°P, Bittereinheiten: 64 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Centennial, Galaxy), Hefe

Netz

wampenbraeu.de
facebook.com/wampenbraeu

Bezugsquellen

http://wampenbraeu.de/bezugsquellen/

Freitag, 19. September 2014

Yes We Can West Coast: Das Backbonesplitter IPA von Hanscraft

Krass. Fast vor einem ganzen Jahr testete ich das Bayerisch Nizza der Hans Müller Sommelierbier GmbH - wie die Zeit vergeht. Da wird es Zeit für etwas Neues. Hinter dem eher international ausgerichteten Namen Hanscraft steckt nach wie vor Christian Hans Müller, der uns diesmal mit einem West Coast IPA das Rückrad brechen will, zumindest sagt das der Name der vor mir stehenden Flasche so. Ein IPA nach West Coast Art zeichnet sich meist durch eine sehr starke Hopfung mit viel Aromatik sowie einem knackig-herben Charakter aufgrund einer ordentlichen Ladung IBUs aus. Kann das Backbonesplitter mit den beliebten Ales von Sierra Nevada, Anderson Valley & Co mithalten? Die Verknusperung wird es zeigen...


Notizen

  • Schaum: daumendicke Krone, eher unauffällig und instabil
  • Farbe: bernstein, funkelnd orange-rot
  • Klarheit: gleichmäßige, leichte Trübe
  • Geruch: sehr aromatisch nach Zitrusfrucht und tropischen Früchten, dezente Malznote


Knusperfazit

Da schlagen IPA Herzen höher, vor allem die der etwas herberen Fraktion. Kantiger, stilgerechter Einstieg bei feiner, eher zurückhaltender, fast schon milder Kohlensäure. Aber auch das kenne ich so von vielen Ales der kalifornischen Westküste. Der durchaus volle Malzkörper bietet etwas Karamell, hält sich aber weitestgehend zurück, sodass sich die Hopfensorten Horizon, Amarillo, Centennial und Simcoe vollends im Mundraum entfalten können. Diverse Früchte wie Litschi, Grapefruit, Orange und Ananas sind mit einem Touch von Kräutern zu erschmecken und sorgen dabei zeitgleich für ein tolles Aroma sowie eine adstringierende Hopfenherbe, die weit über das kompromisslos trockene Finish hinaus anhält. Wow, ich bin sehr froh, dass ich noch zwei weitere Flaschen gekauft habe und stelle mir direkt eine kalt. Denn das Backbonesplitter aus Aschaffenburg ist eine wahre Hopfengranate und kann ohne jeden Zweifel mit den "Großen" von der Küste mithalten.

Yes we can West Coast! Neben dem Amarsi eines meiner Favoriten IPAs aus Deutschland.

Knusperfaktor 9/10 - Prost!



Beerfacts

Alkohol: 6,6% vol., Stammwürze: Keine Angabe, Bittereinheiten: 60 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Horizon, Amarillo, Centennial, Simcoe), Hefe

Netz

sommelierbier.de
facebook.com/hanscraftco

Bezugsquellen

maruhn.de
bier-deluxe.de

Montag, 15. September 2014

Düsseldorf Calling: Die Rhabarber Weisse von Onkel Bier

Wenn ich an Rhabarber denke, dann stehe ich immer als Kind im Garten meiner Eltern und beiße in einen frisch gepflückten Blattstiel des Knöterichgewächses, woraufhin ich angeekelt das Gesicht verziehe und den Krempel wieder ausspucke, weil mir das einfach zu sauer war. Mein Vater sagte dann so etwas in der Art wie "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Aber damals war mir das einfach eine Nummer zu krass. Es gibt ja diese Dinge, die einem früher nicht geschmeckt haben, für die man jedoch später einen gewissen Geschmack entwickelt. Seit dem Erlebnis im Garten habe ich Rhabarber nur noch als Kompott oder in Kuchenform angefasst. Ähnlich verhielt es sich dann später bei mir mit Berliner Weisse, war mir doch das obergärige Schankbier einfach zu unausgewogen sauer. Grund für den hohen Säureanteil bei einer Weisse ist die im Anschluss an die Hefegärung zweite Gärung durch Milchsäurebakterien wie zum Beispiel Lactobacillus brevis. Hierbei entsteht Milchsäure, welche der Berliner Weisse ihren typisch sauren Geschmack verleiht. Viele "Biergenießer" mögen das jedoch nicht und schütten sich süßen Sirup in ihr Getränk, um es wiederum für sie genießbar zu machen. Verwirrend und absurd zugleich, wie ich finde. Entweder eine Weisse schmeckt pur - oder eben nicht. Und gerade weil ich weder Rhabarber noch Berliner Weisse Fan bin, wage ich mich nun an Onkel Herberts Rhabarber Weisse von Onkel Bier in Düsseldorf. Ganz nach dem Motto Gebraut nach dem deutschen Freiheitsgebot geben sich die beiden Onkels Albert und Herbert bewusst transparent in Bezug auf die Zutaten und haben keine Heimlichkeiten bei ihren beiden Biersorten. So kann man schließlich auch dem Etikett der Rhabarber Weisse entnehmen, dass diese 3% konzentriertes Rhabarberpüree enthält. Der große Unterschied zu dem sonst übermäßig beigemischten Sirup im Glas: Hier wird die Frucht nicht dem Fertiggetränk beigemischt, sondern direkt während des Gärprozesses in den Tank gegeben. So kann sich eine Symbiose aus Bier und Rhabarber entwickeln. Genug Vorgeplänkel. Jetzt will ich wissen, ob diese Kombi tatsächlich so schlimm für mich wird...


Notizen

  • Schaum: stabil, strahlend weiß, feinporig, cremig
  • Farbe: milchig-zitroniges weißgelb
  • Klarheit: gleichmäßig trüb
  • Geruch: sauer, feine Weizennote, Buttermilch, grünes Obst


Knusperfazit

Im Antrunk tänzelt Kohlensäure auf der Zungenspitze, während die Flüssigkeit den Rest des Mundraumes mit einem fruchtig-säuerlichen Obstallerlei bearbeitet. Erster Eindruck: "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Na also, ist doch gar nicht so schlimm! Im Gegenteil: Das macht sogar Spaß! Da ist es also wieder dieses Phänomen des Geschmack Entwickelns. Ich glaube jedoch, dass das nicht nur an meinen über die Jahre strapazierten und abgestumpften Geschmacksknospen liegt, sondern vielmehr der Verdienst der beiden Onkels ist, was die Weisse so unglaublich erfrischend macht. Wir haben zwar Spätsommer oder fast schon Herbst, aber das spielt ja keine Rolle. Nach dem Einstieg entwickelt das Bier eine feine Säure, die nach Buttermilch, Zitrone und natürlich auch Rhabarber schmeckt. Getragen wird dieses Bouquet auf den Schultern eines feinen, gehaltvollen Körpers aus Gersten- und Weizenmalz, was das Ganze angenehm abrundet. Es bleibt die Erkenntnis, dass man sich eben immer mal wieder an Dinge trauen soll, die man früher nicht angerührt hätte, weil es Leute gibt, die sie besonders gut machen! In diesem Fall die Jungs von Onkel Bier in Düsseldorf. Ihr habt mich zu einem Weisse-Genießer gemacht. Danke!

Leute packt euren pampigen Sirup ein und genießt diese Weisse pur! Nur so bekommt ihr ein lecker-spritziges Erlebnis mit kitzelnder Säure, perfekt für den Spätsommer. Ein Bier für den Moment eben.

Knusperfaktor 8/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 4,4% vol., Stammwürze/ Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, konzentriertes Rhababerpüree (3%), Milchsäure, Hefe, Hopfen

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mein-onkel.de
facebook.com/meinOnkel

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mein-onkel.de/wo

Montag, 8. September 2014

Trauminsel im Glas? Das Santorini Black Wheat Greek Lager

Ein paar Wochen ist mein Urlaub auf der griechischen Insel Kos mittlerweile schon her, weshalb ich mich nun mal an ein Mitbringsel wage. Das Volkan Santorini Black Wheat Greek Lager habe ich in dem einzigen Laden der Insel gekauft, wo es außer Heineken, Amstel, Becks und drei weiteren griechischen Industrie-Bieren noch eine ganz beachtliche Auswahl an Craftbier verschiedener Länder gab. Dieses hier stammt von der rund 360 km westlich von Kos gelegenen Trauminsel Santorin und bringt einige Besonderheiten mit sich. Das Dunkelweizen, welches mit Gersten- sowie Weizenmalz eingebraut wurde, bekam mit dem von der Insel stammenden Honig als Zusatz eine Art Veredlung verpasst. Außerdem soll die Essenz der lokalen Pflanze Citrus Medica (Zedernfrucht) dem Tröpfchen, dessen Brauwasser lavasteinfiltriert ist, ein einzigartiges Aroma verleihen. Ich bin gespannt, ob all der Aufwand etwas bringt...


Notizen

  • Schaum: beige - ockerfarben, cremig, standhaft
  • Farbe: tiefschwarz; im Licht funkelt es feuerrot
  • Klarheit: blank, keine Trübung
  • Geruch: Kaffeenoten, leicht brotig mit herber Zitrone, etwas Honig


Knusperfazit

Der Antrunk verläuft durchschnittlich prickelnd mit spärlich dosierten Röstnoten, die in einen eher flachen Malzkörper eingebettet sind. Auch zur Mitte hin bleibt ein wässriges Mundgefühl und der Funke will nicht so recht überspringen. Ich habe das Gefühl, dass hier auf Farbebier zurückgegriffen wurde, welches das Bier zwar dunkel macht, aber eben nicht sonderlich geschmacksgebend ist. Der erwähnte Honig kommt im Geruch zwar zur Geltung, weiterhin ist er aber nicht zu vernehmen. Auch die verwendeten Blätter der Zitruspflanze tümmeln sich unspektakulär im Hintergrund und gehen insgesamt doch ziemlich unter. Im Abgang bleibt etwas Röstmalz am Gaumen kleben und hinterlässt eine leichte Bittere, ansonsten bleibt das Dunkelweizen aber auch im Finish sehr fad und wirkt leider ziemlich blass. Da hätte ich mir doch wenigstens ETWAS mehr erwartet.

Die Ingredienzien sorgen beim Volkan Santorini Black Wheat Greek Lager zwar für den regionalen Bezug, bringen aber darüber hinaus keinen Mehrwert. Es bleibt ein eher flaches, im unteren Durchschnitt angesiedeltes, dunkles Bier. Einen Versuch war's wert.

Knusperfaktor 3/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 5,0% vol., Stammwürze/ Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Honig, Essenz der Citrus Medica Pflanze

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volkanbeer.com
facebook.com/VolkanBeer

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Das Volkan gibt es ausschließlich in Griechenland zu kaufen. Eine Liste der Läden, die es anbieten gibt es hier.


Dienstag, 26. August 2014

Das Wampenbräu Amber Ale...und guad!

Mit dem Centalaxy IPA steht bereits das neue Wampenbräu um Bierbloggerkollegen Daniel Jakob alias usoX in den Startlöchern. Da wird es höchste Zeit endlich mal das aktuelle Bierchen aus Bichl unter die Lupe zu nehmen. Dieses ist ein mit den drei Hopfensorten Cascade, Citra und Chinook gehopftes Amber Ale und kommt mit 5,4% Alkoholgehalt sowie moderaten 30 Bittereinheiten daher. Ein Amber zeichnet sich durch seine etwas dunklere, rötliche Bernsteinfarbe sowie feine Karamellnoten aus, die dem fruchtigen Erlebnis den letzten Schliff und ein volles Mundgefühl geben sollen. Oftmals wird es auch als American Amber Ale bezeichnet, weshalb ich es jetzt einfach mal "Bavarian" Amber Ale nenne und mich wie ein Schnitzel auf die folgende Verknusperung freue!


Notizen

  • Schaum: cremefarbene Haube, feinporiger Oberfläche, sehr stabil
  • Farbe: typisch 'amber', Honig bis Bernstein, funkelnde Rottöne 
  • Klarheit: ordentliche, gleichmäßige Trübe
  • Geruch: karamellig, malzig, pikante Zitrusaromen


Knusperfazit

Während des Antrunks strömen langsam fruchtige Aromen in den Mundraum. Beim ersten Kontakt mit der Zunge ist eine mild-prickelnde Rezenz zu spüren, die zusammen mit dem fein-süßlichen Malzkörper den Einstieg und das Fundament des Bieres bildet. Wie eingangs bereits beschrieben, zeichnet auch dieses Amber Ale ein gehaltvolles Mundgefühl mit einer guten Portion Restwürze aus, die jedoch wohl dosiert ist, und dem Aromenspiel der Hopfensorten genug Freiraum zur Entfaltung fruchtiger Zitrusnoten lässt. Eine angenehme Balance aus Hopfen und Malz! Zur Mitte hin sorgen die 30 IBU dann gekonnt aber leicht zurückhaltend für eine frische Bittere, die den Abgang wunderbar fruchtig sowie wohlschmeckend herb werden lässt. "Und guad" heißt es auf dem Etikett - und das kann ich nur bestätigen: Ein rundum gelungenes Amber Ale aus Oberbayern mit hoher Drinkability. Nur zu gerne würde ich es mal frisch vom Fass probieren. Auf das Centalaxy mit stolzen 17°P und 64 IBU freue ich mich als Freund der starken IPAs ja jetzt schon wie Bolle...

Knusperfaktor 8/10 - Prost!

Wer auch mal eine Wampe trinken will, kann sie sich hier besorgen.


Beerfacts

Alkohol: 5,4% vol., Stammwürze: 13,4°P, Bittereinheiten: 30 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Cascade, Citra, Chinook), Hefe

Netz

wampenbraeu.de
facebook.com/wampenbraeu

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http://wampenbraeu.de/bezugsquellen/

Donnerstag, 7. August 2014

Das Union Jack IPA von Firestone Walker: Happy IPADay 2014!

Was wäre Craftbier ohne das IPA? Die zweifellos wichtigste Biersorte für die weltweite Craftbier-Bewegung feiert heute ihre Existenz mit dem IPADay. Dieser findet jährlich jeweils am ersten Donnerstag im August statt und soll bewirken, dass die kollektive Begeisterung für Craftbier gestärkt wird. Obwohl dies mittlerweile eigentlich gar nicht mehr nötig ist, denn die Community wächst und gedeiht seit einigen Jahren ziemlich schnell und erfindet sich dabei mit den verschiedensten Geschmackskreationen und Bierstilen immer wieder neu. So gibt es eben fernab vom IPA eine riesige Bandbreite ganz vieler anderer Sorten, die es zu entdecken gilt. Zur Feier des Tages soll es heute aber natürlich ein India Pale Ale sein, und zwar eins, auf das ich mich ganz besonders freue. Der Union Jack der vielfach prämierten kalifornischen Firestone Walker Brewery hat ganze sieben (!) Hopfensorten mit an Bord: Magnum, Cascade, Centennial, Amarillo, Citra, Chinook und Simcoe geben sich die Ehre und wollen ein sensorisches Feuerwerk zünden. Ich erwarte eine echte Hopgrenade!


Notizen

  • Schaum: hellbeige, cremig, feinporig, sehr robust
  • Farbe: honiggelb
  • Klarheit: gleichmäßig trüb
  • Geruch: extrem fruchtig nach exotischem Obst, dezent karamellig


Knusperfazit

Beim Union Jack fällt es schwer, den ersten Schluck zu tätigen, denn aus dem Riechen kommt man eigentlich nicht so einfach heraus. Die Fruchtwolke ist atemberaubend und lässt erahnen, weshalb dieser Tropfen bei ratebeer so unfassbar gut abschneidet. Setzt man dann das Glas an, explodiert auch direkt die versprochene Hopgrenade. Eine ordentliche Portion IBU sorgt für die packende Bittere, während ein dezent karamellig-weicher Malzkörper sowie mild-prickelnde Kohlensäure den Aromen freie Fahrt lassen. Diese lassen sich am besten mit den schon öfters erwähnten tropischen Früchten von Katjes beschreiben, wobei im Vordergrund reife Mango, Orange und Ananas stehen. Es ist eine echte Wucht, die da hartnäckig den Mundraum bearbeitet und auch zum Abgang hin nicht nachlässt - tolles, trockenes Finish zum Ende. Am Gaumen bleibt noch lange der feinherbe Fruchtcocktail haften und macht definitiv Lust auf mehr! Die einzige Frage, die man sich stellen kann ist, ob man wirklich alle sieben Hopfensorten benötigt, um ein solches Ale zu brauen, schafft es doch ein Amarsi mit Zweien auch eine solche Bombe zu zünden. Was aber letztlich zählt ist, dass der Union Jack die Herzen aller Hopheads höher schlagen lassen wird. Geniales IPA zum IPADay 2014.

Knusperfaktor 9/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 7,5% vol., Stammwürze/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Münchner, Karamell), Hopfen (Magnum, Cascade, Centennial, Amarillo, Citra, Chinook, Simcoe)

Netz

http://www.firestonebeer.com/
https://www.facebook.com/firestone.walker

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Bier-Deluxe.de

Freitag, 1. August 2014

Salzburger "Braujuwel": Das Pale Ale von Stiegl

Gerade erst mit dem Hopfenauflauf einen österreichischen Vertreter aus Wien verknuspert, ist auch gleich der Nächste aus unserem Nachbarland dran. Die Brauerei Stiegl in Salzburg ist die größte in Privatbesitz befindliche Brauerei Österreichs und ist neben ihren gängigen Sorten auch für ihre speziellen Hausbiere bekannt. Neu auf dem Markt ist nun das als limitierte 'Braujuwel' bezeichnete Pale Ale, welches mit 'fruchtigen Aromen und feinen Hopfentönen' seinen Beitrag zum Sommer 2014 leisten soll. Schade, dass man auf der Flasche keine Angabe zu den Hopfensorten findet. Sei's drum. Das Vollbier mit 5,0% und einer Stammwürze von 12°P wird geöffnet und sodann verknuspert...


Notizen

  • Schaum: weißlich-beige, mittlere Porengröße, recht instabil
  • Farbe: bernstein
  • Klarheit: gleichmäßig trüb
  • Geruch: grasige Noten, leicht säuerlich, Aprikose, Orange


Knusperfazit

Bei einem als limitiertes 'Braujuwel' angepriesenen Bier hätte ich insgesamt etwas mehr erwartet. Im Antrunk sind zunächst würzig malzbetonte Aromen zu vernehmen. Die Spritzigkeit fällt aufgrund der etwas zu milden Karbonisierung eher zurückhaltend aus. Im weiteren Verlauf schimmert eine feine Hopfenaromatik, die mich an die Sorte Citra erinnert, durch den Malzkörper. Es kommen somit fruchtige Aromen auf, die wie im Geruch einen leicht säuerlichen Touch mit sich bringen, der für eine gewisse Frische sorgt. Zum Ende hin wird es nochmal etwas erdig im Geschmack, was wiederum ganz gut zum malzbetont süffig-süßlichen Abgang passt. Dennoch bleibt der letzte Kick irgendwo auf der Strecke. Das Pale Ale ist nicht übel, jedoch hätte ich etwas mehr Spritzigkeit und Charakter erwartet, da es zuweilen leider doch etwas glatt geschliffen wirkt. Etwas mehr Mut und die Salzburger hätten es über das gute Mittelfeld hinaus geschafft.

Knusperfaktor 6/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 5,0% vol., Stammwürze: 12°P, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Netz

https://www.stiegl.at/
https://www.facebook.com/stieglbrauerei

Kaufen

Erhältlich ist das Pale Ale als 6er-Träger in vielen österreichischen Supermärkten wie z.B. Billa oder Spar.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Fruchtiger Hopfenauflauf von Brew Age aus Wien

Die Jungs von Brew Age haben mich schon auf dem Craft Bier Fest Wien mit ihren Kreationen beeindruckt und bieten neben dem Pale Ale 'Hopfenauflauf', dem Wiener Lager 'Malzstraße' mittlerweile auch ein Holunderblütenbier namens 'Garten Eden' an. Dieses habe ich zwar leider nicht zur Hand, dennoch freue ich mich nun genauso auf den Hopfenauflauf, welcher mit moderaten 35 IBU für fruchtig-herbe Erfrischung sorgen sollte. Noch kurz vermerkt, dass die Flasche mit ihrem an Graffiti erinnernden Design sehr schön zu betrachten ist, geht es auch schon los.


Notizen

  • Schaum: weiß, feinporig, könnte etwas stabiler sein
  • Farbe: knackiges gold-orange
  • Klarheit: gleichmäßig, leicht trüb
  • Geruch: rein, karamellig, fruchtig nach Steinfrüchten



Knusperfazit

Der Antrunk des Pale Ales verläuft weich mit samtig-prickelnder Rezenz, während ein karamelliges Malzbett das Fundament bildet, auf dem sich der Hopfenauflauf Schicht für Schicht aufbaut. Die drei Hopfensorten Chinook, Citra und Centennial können sich dabei gut entfalten und sorgen für ein Bouquet aus tropischen Früchten mit spritziger Zitrusnote. Durch die nicht anhängende Bittere im Abgang wirkt das Wiener Pale Ale fast wie ein leichtes Session IPA und bietet gerade an tropisch-schwülen Sommertagen eine aromatische Erfrischung. Mir persönlich sind die 35 IBU im Finish ein kleines bisschen zu flach, dennoch ein leckeres, gelungenes Pale Ale von Brew Age.

Knusperfaktor 7/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 5,4% vol., Stammwürze: 12,6°P, Bittereinheiten: 35 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Karamel), Hopfen (Chinook, Citra, Centennial)

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Freitag, 18. Juli 2014

Die Braumeister N°04 Edition von Duckstein

Da ich zurzeit noch in meiner alten Heimat zu Besuch bin und es dort keinen Craftbier-Laden gibt, leide ich an permanentem Geschmacksentzug. Umso größer sind meine Augen, wenn ich dann im hiesigen Supermarkt doch mal etwas entdecke, das zumindest nicht überall verfügbar ist. So kam es, dass mich die neue Braumeister N°04 Edition von Duckstein anlachte und brüllte "Nimm mich mit!". Das tat ich dann auch, weshalb es nun eine Verknusperung mit der frisch auf den Markt geworfenen limitierten Edition aus dem Hause Holsten gibt. Sie nennt sich 'Sonnenmalz' und trumpft mit vier verschiedenen Sorten an Gerstenmalz auf: Pilsner, Caramel, Dextrin sowie Crystal landeten in der Würze, die mit Hallertauer Mittelfrüh gehopft, bevor sie sodann obergärig vergoren wurde. Ich erwarte ein sehr malzbetontes Bier, das an heißen Sommertagen fruchtig-würzig für Abkühlung sorgt und bin gespannt, ob diese Braumeister Edition im Test besser als ihr Vorgänger N°03 abschneidet. Wie immer zunächst den Kronkorken freipopeln und ab geht's!


Die Malz-Komposition sorgt schon mal für eine tolle Farbe im Glas, denn der Gerstensaft erstrahlt in einem satten Rotgold in der Sonne, sodass die Spannung auf den Geschmack steigt. Bedeckt ist die Flüssigkeit von einem leicht beigen, mittelporigen Schaum, der erst recht schnell zusammenfällt, bevor er eine Zeigefinger dicke Haube hinterlässt. Zum Riechen gibt es einen Mix aus grasigen Noten, die eher an ein Helles erinnern und dunklen, fruchtig-nussigen Nuancen von Rosine und Haselnuss.


Der Einstieg verläuft sehr milde mit einer leicht prickelnden Karbonisierung. Dabei verhält sich der Malzkörper zunächst überraschend sanft und nicht aufmüpfig, was für meinen Geschmack positiv zu werten ist. Ich hatte die Befürchtung, dass das Bier im Antrunk zu wuchtig sein könnte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die vier Malze geben zwar den Ton an, verhalten sich dabei aber diskret ohne den Verkoster umzuhauen. Sie bearbeiten die Knospen mit Röstaromen, die leicht süßlich an Russisch Brot erinnern. Zeitweise fühlt man sich hier tatsächlich, als tränke man ein Malzbier ohne Alkohol, was dann im Mittelteil auch etwas eintönig wirkt. Hier dominiert die Restwürze, während sich die fruchtigen Noten der Gärungsprodukte zu sehr im Hintergrund aufhalten. Ein leichter Einstieg mit Entfaltung der Aromen - das wär's gewesen. Zum Finish nehmen dann aber zum Glück die 5,4% vol. gepaart mit einer feinen Hopfenherbe an Fahrt auf, was immerhin für einen knackigen Abgang sorgt.

Alles in allem etwas zu monoton, das 'Sonnenmalz'. Dennoch passt der Name ganz gut zum Programm und macht die Braumeister Edition N°04 zu einem Sommertrunk für Malzbier-Fans. Besser als N°03, den Vogel schießt die N°04 aber auch nicht ab. Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Fakten: 5,4% vol., Stammwürze/Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Dextrin, Caramel, Crystal), Hopfen

Sonntag, 13. Juli 2014

Bier-WM Verknusperung Nr.10: Deutschland - Argentinien

FINALE!

Heute ist es tatsächlich so weit. Die deutsche Fußball Nationalmannschaft zieht ins Finale der Weltmeisterschaft ein und trifft dabei auf Argentinien. Ob nun der letzte Schritt zum Weltpokal gelingt, soll der Biertest entscheiden. Ich denke aber, dass beim Anblick des deutschen Vertreters fast schon klar ist, wie das ausgeht...

Deutschland geht mit dem 'TAP5 - Meine Hopfenweisse' der Kelheimer Weissbierbrauerei Schneider Weisse, Argentinien mit dem Lagerbier seines offiziellen Sponsors Quilmes Cerveza an den Start. 

Los geht's!


Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Hopfenweisse der Weissbierprofis aus Bayern noch nie zuvor probiert habe, steht sie doch seit eh und je im gut sortierten Getränkeladen meines Vertrauens Maruhn Welt der Getränke. Doch irgendwie ist sie mir immer durch die Lappen gegangen - bis jetzt. Und so viel kann ich schon mal sagen: Das TAP5 wird ab sofort öfter in meinem Einkaufskorb landen. Denn es strotzt nur so vor wundervoller Geschmacksvielfalt. Zunächst liegt es mit einem hefetrüben, kräftigen Orange im Glas und wird von einer cremigen, mehr als standhaften Schaumkrone getoppt. Sensorisch macht die Hopfenweisse ihrem Namen wirklich alle Ehre. Es breitet sich ein fantastischer Duft nach Ananas und Grapefruit in der Luft aus, der auf die ordentlich dosierte Hopfengabe von Saphir und Hallertauer Tradition zurückzuführen ist. Ich kann mir vorstellen, dass hier noch zur Nachgärung hopfengestopft wurde, so intensiv wie das riecht. Im Antrunk packen mich dann zunächst genau diese Aromen, die in einen moussierend weichen Körper aus Gersten- und Weizenmalz gebettet sind. Zurückhaltende Kohlensäure sowie knackige 8,2%, die der Spritzigkeit absolut keinen Abbruch tun, runden das Geschmackserlebnis ab. Hopfenfeuerwerk! Wahnsinn! Zum sanft-süffigen Abgang macht sich dann noch der typische Bananengeschmack, den ein Weizen auszeichnet, bemerkbar und lässt das Bier zur Krönung völlig vollendet wirken. Weltmeisterlich, diese Hopfenweisse! Das beste Weissbier, das ich je getrunken habe. Da bekommt man ja'ne Gänsehautentzündung!

Das Quilmes Lagerbier hat es jetzt natürlich schwer, steht es blank goldgelb mit flüchtiger Schaumhaube vor mir im Glas und möchte zumindest versuchen, den deutschen Gegner zu beeindrucken. Die Chance sei ihm gegeben, jedoch bringt ein derart defensives Geschmacksverhalten keine Punkte. Die Nase vernimmt eine grasige Note, die leicht metallisch wirkt und schnell in der Luft verpufft. Der Antrunk verläuft zunächst angenehm leicht mit spritziger Rezenz, die gut mit dem getreidig-frischen Malzkörper harmoniert. Ich meine, etwas mehr Hopfenblume wahrzunehmen, als es bei dem ein oder anderen importierten Lager in dieser Bier-WM der Fall war. Doch das reicht leider nicht, denn der Angriff auf die Geschmacksknospen verläuft sich irgendwo im Mittelfeld und driftet zunehmend ins Wässrige ab. Schade eigentlich, denn eine feinherbe Bittere hätte dem Quilmes zum Abgang gut gestanden, sodass es kühl getrunken als solider Verlierer den Platz hätte verlassen können. So wird es vom Gegner aus Bayern (passt ja irgendwie auch zum Team der Nationalelf) einfach nur demontiert. Sorry Argentina.

Freunde, wir haben einen Gewinner! Deutschland ist - zumindest in der Bier Verknusperungs-WM - Weltmeister! Gratulation & Prost! Hoffentlich wird das heute Abend auch so einfach...

TAP5 Meine Hopfenweisse: Knusperfaktor 10/10

Quilmes Lager: Knusperfaktor 4/10

Dienstag, 1. Juli 2014

Biervielfalt im Weinland: Zu Besuch im Craft Beer Restaurant Mainz

Vor Kurzem habe ich mich auf den Weg nach Mainz gemacht, genauer gesagt ins westlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gelegene rheinhessische Budenheim. Der Grund dafür hat - wie konnte es auch anders sein - natürlich etwas mit Bier zu tun. Dort befindet sich nämlich der Mainzer Golfclub, dessen Restaurant '19' quasi direkt am Golfplatz liegt und sowohl Golfer als auch Nichtgolfer mit kulinarischen Köstlichkeiten sowie einer wirklich beachtlichen Auswahl an Bier versorgen will. Auf der Terrasse des Lokals, das sich auch 'Craft Beer Restaurant Mainz' nennt, kann man bei schönem Wetter mit direktem Blick auf die Wiese wunderbar essen und trinken. Das Restaurant präsentiert sich auf den ersten Eindruck grün, gemütlich und einladend.

Das Restaurant des Mainzer Golfclubs liegt direkt am Golfplatz in Budenheim und wirkt gemütlich und einladend.
Mit direktem Blick auf die Wiese schmeckt gutes Bier bei bodenständiger bis ausgefallener Küche noch besser.
Die Karte des Restaurants erstreckt sich von klassisch regionalen Gerichten, wie dem 'Best Handkäs in Town' (Wiki: Handkäs) bis hin zu internationaler Küche wie Gambas aus dem Tonpfännchen oder argentinischem Rumpsteak, wobei der Bezug zu Bauern und Metzgereibetrieben aus der Region nie außer Acht gelassen wird. Zusätzlich gibt es eine stetig wechselnde Wochenkarte mit verschiedensten Variationen passend zur Saison. Es ist also für jeden Gaumen etwas dabei.

Die Wochenkarte bietet wechselnde saisonale Köstlichkeiten.
Im inneren Bereich, der ein angenehm modernes Flair offenbart, wird dann auch der Bezug zum Bier klar. Denn direkt neben der Bar befindet sich ein Kühlschrank, der Craftbier-Herzen höher schlagen lässt. Er bildet die Brücke zwischen gutem Essen und ausgefallenen Biersorten, über die sich der interessierte Gast beim fachkundigen Personal gerne informieren kann. Der Craftbier-Kenner wird neben vielen bekannten Bieren auch einige entdecken, die er bisher nicht kannte. Zumindest ging es mir so...

Sorgt für große Augen bei Bier-Liebhabern: Der Kühlschrank.
Wer sich für die riesige Bierauswahl interessiert, kann sich vom fachkundigen und freundlichen Personal beraten lassen.
Der moderne innere Bereich des Craft Beer Restaurants in Budenheim wirkt gemütlich und hell.
Was ich besonders toll an der Bierkarte finde ist, dass man sowohl Craftbier aus heimischen Gefilden, als auch aus allen Ecken der Welt anbietet. So finden sich auf der Karte Biere von Hopfenstopfer, BrauKunstKeller, CREW, Propeller, Kehrwieder, KuehnKunzRosenRiedenburger, Flying Dog, Rogue, Sierra Nevada, BrewDog, Brauhaus Gusswerk, Brewfist, Birra BaladinMidtfyns Bryghus  oder der Brooklyn Brewery - nur um mal eine kleine Auswahl zu nennen. Es gibt natürlich viel, viel mehr zu entdecken. Wie zum Beispiel das Rotfux von Frauenauer Turbinenbräu, einem goldfarbenen Pale Ale, dessen Cascade und Citra Hopfen durch ein sommerliches Bouquet von Limette sowie herber Melisse besticht. Ebenfalls sei dem Besucher das hauseigene 'Club-Bier' vom Fass ans Herz gelegt, das mit seiner leichten, hopfenbetonten Citrus-Note bei enormer Süffigkeit den perfekten Einstieg in die Welt des Craftbiers bietet.

Die beeindruckende Bierkarte im Mainzer Golfclub Restaurant '19' bietet eine internationale Auswahl an Craftbier.
Doch wer kommt eigentlich auf diesen vermeintlich ungewöhnlichen Gedanken, so viel Bier in einem Restaurant anzubieten, das sich inmitten des größten Weinbaugebietes Deutschlands befindet? In Rheinhessen gibt es an jeder Ecke Riesling oder Müller-Thurgau, was ein IPA oder Stout ist dürften jedoch die Wenigsten wissen. Das will man in Budenheim schnellstmöglich ändern. Hinter der Idee steckt der Gastronom und Betreiber des Restaurants Jörn Stoll, der gemeinsam mit dem Mediendesigner, Bierblogger und IHK-Bierbotschafter Andreas Fitza das Craft Beer Zentrum Mainz ins Leben gerufen hat. Dieses versorgt nicht nur die Mainzer und Gäste des Golfclub Restaurants mit Craftbier, sondern auch eine Vielzahl von Lokalitäten im Rhein-Main Gebiet. Darüber hinaus werden über das selbst ernannte 'Epizentrum der Biervielfalt' das gesamte Jahr über eine Reihe von Events organisiert oder Veranstaltungen mit ausreichend gutem Bier versorgt. So auch die regelmäßigen Craftbier-Seminare, die auf dem aktuellen Jahresplan des Restaurants zu finden sind. Zum Beispiel findet am 28. September das 'Craft-Beer Seminar „Heimbrauer“ Nr. 2' statt, bei dem Andreas und Jörn intensiv auf ausgewählte Bierstile eingehen, die bei einem entsprechenden Food-Pairing im Dialog mit den Teilnehmern diskutiert werden. Eine tolle Idee!

Die zwei treibenden Craftier-Motoren im Restaurant '19': Jörn Stoll (links) und Andreas Fitza (rechts)
Andreas Fitza selbst lernte die Vielfalt des Craftbiers über seinen in den USA lebenden Bruder kennen, der ihm bei einem Besuch in den Staaten viele Mikrobrauereien zeigte. Seitdem ist er stets wissensdurstig nach unbekannten, interessanten Bierstilen und hat es nebenbei geschafft mit seinem Bruder ein eigenes Bier zu kreieren. Das Fitzabräu Pale Ale, welches natürlich auch in Budenheim erhältlich ist, wurde mit den Hopfensorten Northern Brewer und Mandarina Bavaria eingebraut und mit Green Bullet hopfengestopft. Es beeindruckt erfrischend-aromatisch durch sein perliges Mundgefühl, welches feinherb von Zitrus und Pinienkernen im Karamellkörper begleitet wird.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es mir im Craft Beer Restaurant Mainz wirklich sehr gut gefallen hat. Super Leute, super Essen, super Bier - ein klasse Gesamtpaket eben. Und wer jetzt Lust bekommen hat, in die Welt des Craftbiers einzutauchen, sich weiterzubilden oder einfach gut zu essen, der ist beim Restaurant '19' an der richtigen Adresse. Danke nochmal für die Zeit, die sich Jörn Stoll und Andreas Fitza genommen haben. Vielleicht sieht man sich ja beim nächsten 'Heimbrauer' Seminar...

Prost!

Das Pale Ale der Gebrüder Fitza: Hopfengestopft mit Green Bullet.

Glücklicher Knusper mit Craftbier in den Händen.

Mitbringsel aus Budenheim: KuehnKunzRosen 'Kerlig Hell' & 'Kuehnes Blondes', Fitzabräu Pale Ale, 'Rot'- & 'Weißfux' von Frauenauer Turbinenbräu

Infos:

Craftbeer Zentrum Mainz:

http://craftbeer-zentrum.de/
https://www.facebook.com/CraftBeerZentrum

Craftbeer Restaurant '19' Mainz:

http://www.mainzer-golfclub.de/restaurant19
https://www.facebook.com/CraftBeerRestaurantMainz

Oberer Mombacher Weg 4
55257 Budenheim
Tel.: 06139 / 29 30 21
E-Mail: restaurant-mgc@gmx.de

Öffnungszeiten Restaurant:

April bis September
Montag bis Freitag von 11:00 bis 22:00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag von 09:30 bis 22:00 Uhr

PS: Neben der Bierkarte bietet das Restaurant natürlich auch Wein aus Rheinhessen an...