Dienstag, 17. Dezember 2013

Das "La Brunette double" vom Gasthaus Loewen Thor

Heute in der Verknusperung ist das "La Brunette double" aus dem Gasthaus Loewen Thor in Gondelsheim bei Karlsruhe. Ich selbst war noch nie dort, sondern habe diese Flasche lediglich als Mitbringsel von einer Hochzeitsfeier bekommen. Danke dafür! Auf der Homepage des edlen Gasthauses mit Hotel heißt es zu den hauseigenen Bieren:

Man nehme in hölzernen Fässern zweijährig gereiftes Bier, fülle es mit einem Großteil frischgesiedetem jungem Bier auf die Champagnerflasche und lasse es in der Wärmekammer bei 25°C während 20 Tagen in der Flasche gären. Das Ergebnis ist eine quirlige Köstlichkeit mit süffiger Würze.

Ich darf mich in diesem Fall also auf ein dunkles Starkbier freuen, welches mit satten 9,5% vol. daherkommt. Da es sich um eine Flaschengärung handelt, wurde diesem Bier vor der Lagerung Zucker zugesetzt, welcher von der Hefe während der Gärung in Alkohol und Kohlendioxid bzw. Kohlensäure verstoffwechselt wird. Geschmacklich erwarte ich ein konzentriertes Malzaroma  mit einem wuchtigen Körper, dessen Intensität durch Zurückhaltung des Hopfens stark zum Tragen kommt. Die Flasche sieht mit grünem Glas und Korkenverschluss sehr nach Champagner aus. Über das Design des Covers lässt sich streiten. Zwei Brunetten - eine mehr, eine weniger - zieren das Etikett und wirken dabei irgendwie etwas blass, so als wäre dem Drucker langsam die Tinte ausgegangen. Viel wichtiger ist aber sicherlich der Inhalt, welchem ich mich nun widmen werde.


Optisch und sensorisch bekommt man zunächst einmal genau das, was man bei einem solchen Bier erwartet. Eine sehr dunkle, ölige Flüssigkeit liegt mit einem standhaften, bräunlichen Schaum im Glas und versprüht Aromen von gerösteten Nüssen, Schwarzbrot, Kaffebohnen und Pflaumenmaische. Im Licht lassen sich dunkle Rottöne in dem ansonsten tiefschwarz wirkenden Bier erblicken. Dieser Anblick gefällt mir sehr gut und macht Lust auf den ersten Schluck.


Schon zu Beginn des Antrunks wird klar, dass die Erwartungen nicht unberechtigt waren. Die Geschmacksknospen werden sofort von beiden Brunetten bearbeitet. Eine Mischung aus Salmiak-Pastillen, Lakritz, Pflaumenkompott, Datteln und Feigen macht sich im Mundraum breit. Fast bekommt man das Gefühl, dass neben dem Zucker auch eine kleine Lakritzschnecke mit in der Flasche vergoren wurde, was natürlich für einen starken Wiedererkennungswert sorgt. Der Körper ist etwas zu schwer, wird aber durch eine angenehm weiche Rezenz gut abgefangen, sodass sich die volle Breite der Aromen, nicht zuletzt wegen der 9,5% Alkohol, entfalten kann. Viele Schwarzbiere wirken im ersten Moment sehr malzig, hinterlassen aber im Abgang doch einen etwas wässrigen Eindruck. Dieses Bier behält seine Stärke jedoch bis zum Nachtrunk und kann durch eine Gleichbleibende Intensität punkten. Allerdings wirkt das Ganze nach ein paar Schlücken sehr heftig und fließt etwas schwerfällig und nicht ganz so süffig die Kehle herunter.

Insgesamt heben sich die zwei zu Beginn blass wirkenden Brunetten mit ihrem fülligen Körper von der Masse anderer Schwarzbiere ab und sorgen für Abwechslung. Das ist allerdings nichts für schwache Zungen. Knusperfaktor 7/10 - Prost!


Fakten: 9,5% vol., Stammwürze/IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Malz, Zucker, Hopfen, Hefe

Dienstag, 3. Dezember 2013

Das Bernie Rieder Weissbier der Brauerei Ried

Heute steht bei mir mal wieder ein Geschenk aus Österreich auf dem Tisch: Das Bernie Rieder Weissbier von Rieder Bier, deren Brauerei sich im gleichnamigen Ort Ried befindet. Nach kurzer Google-Recherche fand ich heraus, dass es sich bei dem Bier um eine Kreation des österreichischen TV-Kochs Bernie Rieder handelt, der quasi mit seinem Namen für dieses Bier steht und wirbt. Ansonsten hat er aber direkt mit der Brauerei gar nichts zu tun. Ein etwas verwirrender Marketing-Gag. Jedenfalls ziert ein äußerst hübsches Portrait des Mannes das Etikett der Bügelflasche.


Mindestens genauso hübsch macht sich die Flüssigkeit im Glas. Das gelblich-weiß schimmernde Bier wird von einer samtig weißen Schaumkrone bedeckt und versprüht in erster Linie süßliche Aromen von Honig und Getreide. Im Hintergrund ist ein leicht kellerartiger Geruch zu vernehmen, welcher den ersten frischeren Eindruck leider etwas verfälscht.


Im zunächst angenehm weichen Antrunk bildet ein schlanker Malzkörper das feine Fundament des Bieres. Süffig-süß zu Beginn wird dem Verkoster nicht allzu viel zugemutet, sodass alles etwas wässrig wirkt. Zur Mitte tendiert das Bier mir dann etwas zu stark zur Säure. Weizenaromen im Stile von reifer Banane sind nur zu erahnen und werden von aufschäumender Kohlensäure verdrängt. Im Abgang flitzt der Hopfen am Geschehen vorbei und sorgt leider ebenfalls für wenig Abwechslung. Ich muss hier allerdings erwähnen, dass das MHD des guten Tropfens schon einen Monat überfällig war, was den Geschmack potentiell natürlich verfälschen kann. Deshalb gibt es einen Punkt mehr auf der Knusperfaktor-Skala. Das reicht dennoch nur für Durchschnittsniveau.

Ein passabler erster sensorischer Eindruck. Ansonsten eher langweilig. Ich bin mir aber sicher, dass der Bernie sensationell gutes Essen kocht. Knusperfaktor 5/10 - Prost!


Fakten: 5,0% vol., Stammwürze/IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gersten- und Weizenmalz, Hopfenpellets, Hopfenextrakt, Hefe

Montag, 2. Dezember 2013

Das "Hopfull" Pale Ale der Schlossbrauerei Au-Hallertau

Wie man meinen leckeren Posts von letzter Woche entnehmen kann, hatte ich das große Vergnügen mich in Freising und dessen bekanntem Stadtteil Weihenstephan herumtreiben zu dürfen. Dort befinden sich neben der wunderschönen Technischen Universität, die vor Brauerei- und Getränketechnologie Know-How nur so strotzt, auch wirklich eine idyllische Altstadt mit tollen Gasthäusern und Kneipen. Als echter Bierfan führt beispielsweise an der Studentenkneipe Schneiders kein Weg vorbei. Ich habe mich dort durchverkostet und es herrschte traumhaftes Ambiente. Aus einer anderen Kneipe, die wir zu später Stunde noch besuchten, an deren Namen ich mich aber leider nicht erinnern kann, habe ich mir das "Hopfull" Hallertauer Pale Ale mitgenommen, welches heute auf dem Plan steht. Die Schlossbrauerei Au-Hallertau befindet sich sozusagen direkt an der Hopfenquelle schlechthin. Die Hallertau zählt zu den größten Hopfenanbaugebieten der Welt und beliefert neben den industriellen Brauereien auch eine große Anzahl von Craft-Bier Brauereien mit ihrer immensen Auswahl an Bitter- und Aromahopfen. Bei diesem Bier darf man also gerade deshalb sagen, dass der Hopfen aus direktem, regionalem Anbau stammt. Die Sorten Saphir, Perle, Hersbrucker und Saazer sollen dem Ale den Hopfenhammer verpassen und sorgen für 60 Bittereinheiten. Das Etikett erinnert mich an irgendetwas zwischen Energy-Drink und diesem Biermischgetränk CAB. Da ich es auch gerne schlicht habe, ist mir das etwas zu kitschig, aber das ist Geschmackssache.


Eingeschenkt macht das Bier einen wunderschönen Eindruck. Kräftige Orangetöne und eine gleichmäßige Trübe sorgen für eine harmonische Optik. Die Farbe ist für ein Pale Ale schon ziemlich dunkel und tendiert fast schon zu den stärkeren IPAs. Geruchlich sind frische Zitrusfrüchte zu vernehmen, im Hintergrund tümmelt sich etwas Rasen und Getreide. Ein feinporiger, nicht allzu standhafter Schaum gesellt sich dazu und rundet den guten ersten Eindruck ab.


Schon im Antrunk ist zu merken, dass man in der Schlossbrauerei sehr genau weiß, was man tut. Die Hopfenkombination zieht gut an, ist fein abgestimmt und perfekt in einen runden, ausbalancierten Malzkörper eingebettet. Zunächst wird es herb und prickelnd um die Zunge. Die Kohlensäure spielt die perfekte Nebenrolle und überlässt Hopfen und Malz das Rampenlicht. Für mich ist das bei einer solchen Aromatik und Stärke aber kein Pale Ale sondern eigentlich wie schon erwähnt eher ein IPA. Ich hatte ein etwas helleres Einsteiger Ale erwartet, aber das Hopfull belehrt mich eines Besseren und geht tatsächlich in die Vollen. Alles Andere wäre bei einem Bier direkt aus der Hallertau auch fragwürdig. Mir als bekennender IPA Fan kann es sowieso nicht aromatisch und hopfig genug sein. Im Abgang bleiben die fruchtig-herben Aromen noch sehr lange spürbar und machen Lust auf ein weiteres Fläschchen.

Super Hopfenbombe direkt aus der Hallertau. Knusperfaktor 9/10 - Prost!


Fakten: 6,9% vol., Stammwürze: Keine Angabe, IBU: 60

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saphir, Perle, Hersbrucker, Saazer), Hefe